Eines der bunten Häuser im French Quarter. Foto: Melanie M.

Die Seele baumeln lassen: Die ehemals französische Kolonie Puducherry

Jahrhunderte lang beherrschten die Franzosen Puducherry (ehemals Pondicherry).  Die französische Kolonialzeit begann bereits 1673. Damals kaufte die Französische Ostindienkompanie dem Sultan von Bijarpur das kleine Küstendorf ab. Puducherry entwickelt sich bald zu einer florierenden Kolonie. Als die Franzosen im 19. Jahrhundert ihr koloniales Interesse nach Indochina verlagerten, verlor die kleine Kolonie in Indien allerdings wieder an Bedeutung.

Nach der Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947 entschieden sich die Einwohner Puducherrys zunächst für einen Verbleib bei Frankreich. Erst 1954 wurde der Anschluss an Indien vollzogen. Der wirtschaftliche Schwerpunkt des nur 250.000 Einwohner zählenden kleinen Bundesstaates liegt heute auf der Textil- und Lederwarenindustrie. Die qualitativ hochwertigen Produkte werden auch auf den Weltmarkt exportiert. Und auch der Tourismus ist für die Entwicklung Puducherrys von Bedeutung. Die Übernachtungszahlen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Ausländische Touristen schätzen die Stadt wegen ihres schönen  Stadtbildes des French Quarters und des guten Angebots an Hotels und Restaurants, aber auch wegen seiner Nähe zu Auroville, das nur 8 km von Puducherry entfernt ist.

Der Sri Aurobindo Ashram wurde 1968 als Modellstadt für ein utopisches Wohn-, Lebens- und Bewusstseinsexperiment gegründet und hat heute rund 2.000 Einwohner. Ein bekanntes Symbol für Aurobindo ist der „Tempel der Mutter“, das sogenannte Matrimandir, ein futuristisches Bauwerk in Form einer goldenen, abgeflachten Kugel, das als Ort der Meditation und Kontemplation dient.

10 km nördlich von Puducherry am Rand des Fischerdorfes Tandryankupam gibt es übrigens eine der ersten Surfschulen Indiens. Die Brüder Juan und Samai Reboul, die als Kinder mit ihren Eltern von Spanien nach Auroville zogen und dort zu leben, leiten sie. Seitdem die beiden vor einigen Jahren einer Gruppe Reisender mit Surfboards begegnet sind und die sie ihre Bretter testen ließen, hat Surfen die Rebouls nicht mehr losgelassen. Am palmengesäumten Sandstrand, auf dem die Fischerboote aufgereiht nebeneinander liegen, kann man in ihrer Kallialay Surf School in den heranrollenden Wellen des Indischen Ozeans Wellenreiten lernen. Es soll einer der besten Plätze zum Surfen in Indien sein. Dabei war das nicht immer so. Nach dem Tsunami 2004, der in Puducherry über 100 Tote und in Tamil Nadu fast 7.800 Tote forderte, ließ die Regierung des Bundesstaates Tamil Nadu hier zwei lange Piers bauen, um den Strand zu schützen. Unabsichtlich entstand dadurch auch eine Brandung, die ideal sowohl für Anfänger als auch fortgeschrittene Surfer ist.

Augenblicklich erfährt Puducherry – auch als Reiseziel – größere Aufmerksamkeit durch den im Dezember 2012 im Kino gestarteten Film „Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger“, denn die Geschichte des Jungen Piscine Molitor Patel beginnt in Puducherry. Die beste Reisezeit ist Dezember bis Februar. Von März bis Juli wird es sehr heiß und schwül. Im Juli beginnt der Monsun. Die Niederschläge sind allerdings nicht allzu heftig (zumindest gibt es Orte in Indien, in denen zur Monsunzeit weitaus mehr Regen fällt).

Übernachten kann man z. B. im Hotel de Pondichérry (38, Rue Dumas, Tel. +91 413 222 7409, www.hoteldepondicherry.com), einem französischen Bürgerhaus mit 10 vollklimatisierten Zimmern, die teilweise mit Antiquitäten eingerichtet sind, und das direkt neben dem Le Club, dem besten französischen Restaurant der Stadt liegt. Eine andere Option wäre die Villa Christophe (5, Surcouf Street, Tel. +91 90258 17351, http://villachristophe.com), die nur einen Steinwurf vom Sri Aurobindo Ashram entfernt liegt. Hier stehen zwar nur drei Zimmer zur Verfügung, aber was an Größe fehlt, macht die Villa Christophe durch die charmante Einrichtung und die hilfreichen Besitzer wieder wett.

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