Beatles-Ashram in Rishikesh für Besucher eröffnet

1968 reisten die Beatles mit einem Tross von Freunden und Anhängern nach Indien, genauer gesagt nach Rishikesh in den Ashram des selbsternannten Gurus Maharishi Mahesh Yogi, der Erfinder der Transzendentalen Meditation, um dort zu meditieren und ihr Seelenheil zu finden. Fast 50 Songs sollen in der Zeit, die sie in Rishikesh verbrachten, entstanden sein. Nicht alle wurden veröffentlicht. Aber viele der Lieder für das Weiße Album sind hier entstanden.

Magische Anziehungskraft für Beatles-Fans

Im Laufe der Jahrzehnte eroberte sich die Natur das Gelände des Ashrams zurück. Foto: Eran Sandler
Im Laufe der Jahrzehnte eroberte sich die Natur das Gelände des Ashrams zurück. Foto: Eran Sandler

Maharishi gab den Ashram einige Jahre nach dem Aufenthalt der Beatles auf. Die Gebäude waren jahrzehntelang verlassen und die Natur eroberte sich langsam das Gelände zurück. 2003 wurde der Ashram von der örtlichen Forstbehörde übernommen. Ein Zaun und Wachpersonal schützten das Gelände, doch eingefleischte Beatles-Fans waren nicht abzuhalten. Sie kletterten entweder über den Zaun oder die Mauer oder bestachen das Wachpersonal, um einmal einen Blick auf die heiligen Meditationshallen und den magischen Ort, an dem sich die Fab Four einst aufhielten, werfen zu dürfen. Dieses anhaltende Interesse veranlasste die Tourismusbehörde des Bundesstaates Uttarakhand nun, den Zutritt zum Ashram zu legalisieren. Seit Anfang Dezember kann man sich gegen ein Eintrittsgeld von 700 INR, umgerechnet 9,50 Euro (gilt nur für Ausländer; Inder zahlen nur 150 INR, umgerechnet etwa 2,00 Euro) frei auf dem Gelände des Ashrams in Rishikesh bewegen.

Zutritt für Fans endlich legal

Unter anderem wegen solcher Graffitis ist der Ashram bei Fans so beliebt. Foto: C. Caristead
Unter anderem wegen solcher Graffitis ist der Ashram bei Fans so beliebt. Foto: C. Caristead

Das etwas mehr als sieben Hektar große Gelände liegt am Rande eines Tigerschutzgebiets. Die Behörden haben das Areal vor der Eröffnung ein wenig aufgeräumt und die Wegesränder mit Blumen bepflanzt. Auch die Gartenanlage wird nach und nach wieder gepflegt und es werden Bänke für Besucher aufgestellt. Hauptattraktion für die Beatles-Fans sind die Graffitis an den Wänden der einstigen Meditationshalle. Aber es soll künftig auch geführte Naturwanderungen geben. Eine Cafeteria und ein Souvenirshop sind ebenfalls geplant. Der rustikale Look der Anlage soll jedoch erhalten bleiben. Ein Beatles-Disneyland soll nicht entstehen.

Spannungen zwischen dem Yogi und den Beatles

Erfolg bei der Sinnsuche hatten die Beatles damals wohl weniger als erwartet. Eigentlich hatten sie einen dreimonatigen Aufenthalt in dem Ashram des Erfinders der Transzendentalen Meditation geplant. Ringo Starr reiste bereits nach 10 Tagen wieder ab. Ihm war das Essen zu scharf und seine Frau hatte panische Angst vor Insekten. Als er Maharishi wegen der Spinnen, Moskitos und Fliegen im Ashram bat, Abhilfe zu schaffen, antwortete dieser: „Wer sich in den Tiefen des reinen Bewusstseins bewegt, für den spielen Fliegen keine Rolle mehr.“ Ringo Starr wollte dennoch nicht, dass irgendjemand erfuhr, dass er den Aufenthalt im Ashram nicht mochte. Öffentlich ließ er verlautbaren, sie hätten ihre Kinder zu sehr vermisst.

Paul McCartney blieb einen Monat lang im Ashram. Er musste – zumindest offiziell – aus geschäftlichen Gründen zurück nach London. Später beschrieb er den Aufenthalt dort immer als bereichernd.

John Lennon und George Harrison reisten relativ überstürzt nach sechs Wochen ab. Es soll damals zu diversen Unstimmigkeiten mit Maharishi gekommen sein, denn der selbsternannte Yogi stellte sich mehr als gewiefter Geschäftsmann denn als spiritueller Lehrer heraus. So wollte er von der Band, dass sie 25 Prozent ihrer Einnahmen aus dem nächsten Album auf sein Schweizer Bankkonto überweisen sollten. Lennon soll mit „nur über meine Leiche“ geantwortet haben. Außerdem soll Maharishi an die amerikanische Fernsehproduktionsgesellschaft Four Star Films Filmrechte verkauft haben. Sie sollten einen Dokumentarfilm über seine spirituelle Bewegung drehen, im Ashram in Rishikesh, in Anwesenheit der Beatles und anderer Prominenter wie Mia Farrow oder Donavan. Nur wussten die Prominenten nichts davon. Als das Filmteam auftauchte, verzogen sich Lennon und Harrison, die als einzige von den Beatles noch da waren. Mia Farrow war bereits vorher wegen sexueller Annäherungsversuche von Maharishi abgereist.

Aber auch die Beatles sollen sich nicht an Regeln gehalten haben. Sie sollen das „keine Drogen, kein Alkohol“-Gebot im Ashram missachtet haben. Als die Stimmung auf dem Tiefpunkt war, beschlossen sie, von heute auf morgen abzureisen.

Selbst die Mauern der Gebäude sind inzwischen bewachsen. Foto: C. Caristead
Selbst die Mauern der Gebäude sind inzwischen bewachsen. Foto: C. Caristead

Trotz dieser vielfach veröffentlichten, allseits bekannten unschönen Details wird der Aufenthalt der Beatles in Rishikesh von den Fans weiterhin verklärt. Das kann nicht schlecht dort gewesen sein, wenn so viele schöne Songs entstanden sind, werden sie sich wohl sagen. Und so werden weiterhin Beatles-Fans aus aller Welt diesen Ashram in Rishikesh besuchen.

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