Zweimal Gold für Indien bei den Paralympics

Der indische Hochsprung-Athlet Mariyappan Thangavelu gewann bei den Paralympics in Rio in der T-42-Kategorie – oberschenkelamputiert oder mit ähnlichen Einschränkungen – die Goldmedaille. Sein Teamkollege Varun Singh Bhati holte sich die Bronzemedaille. Der dritte Teamkollege im Bunde, Sharad Kumar, kam immerhin noch auf Platz 6. . Auch der indische Speerwerfer Devendra Jhajharia holte Gold in Rio. Die Paralympics in Rio sind damit bereits um 100% erfolgreicher für Indien als es die Olympischen Spiele im Sommer 2016 waren.

Erstaunliche Höhe für paralympischen Hochspringer

Thangavelu war im Alter von fünf Jahren von einem Bus überrollt worden. Sein rechtes Bein blieb seit dem Unfall unterentwickelt. Trotz dieser starken Einschränkung übersprang er in Rio 1,89 Meter. Thangavelu ist ein wahrer Kämpfer. Geboren wurde er 1995 in einem Dorf in Tamil Nadu. Sein Vater verließ seine Frau und fünf Kinder früh. Seine Mutter brachte ihn und die Kinder mit Hilfsarbeiten durch, mit einem durchschnittlichen Verdienst von 100 Rupien pro Tag (ca. 1,33 EUR). Trotz seiner Behinderung empfand sich Thangavelu, wie er sagt, nie als anders als andere Kinder. Und er arbeitete sich mit viel Durchhaltevermögen und Fleiß nach oben. 2015 schloss er ein Bachelor-Studium am AVS College of Arts and Science ab und er plant, dort auch seinen Master zu machen. Das Geld, dass er für den Gewinn der Goldmedaille erhält, wird ihm sicher dabei behilflich sein (20 Mio. INR/ca. 265.600 EUR von der Regierung des Bundesstaates Tamil Nadu, 7,5 Mio. INR/ca.. 99.600 EUR vom Ministerium für Jugend und Sport sowie 1 Mio. INR/ca. 13.300 EUR von Yash Raj Films). Seine Mutter dürfte stolz auf ihn sein.

Bronzemedaillengewinner Bhati erzielte mit 1,86 Meter eine neue eigene Bestleistung. Er wurde 1995 in Greater Noida in Uttar Pradesh geboren. Als Kind steckte er sich mit Kinderlähmung an. Eines seiner Beine ist seitdem deformiert. Zurzeit trainiert er an der Sports Authority of India in Bangalore. Außerdem studiert er Mathematik.

Gold und neuer Weltrekord im Speerwurf

Devendra Jhajharia erzielte bei den Paralympics in Rio am Dienstag im Speerwurf in der Kategorie F46 – Oberarmamputierte, Unterarmverlust und diesen Einschränkungen Gleichgestellte – eine Weite von 63,97 Meter und stellte damit gleichzeitig einen neuen Weltrekord in dieser Disziplin auf. Er ist der erste paralympische indische Sportler, der schon zum zweiten Mal Gold gewinnt. Die erste Goldmedaille holte er 2004 bei den Paralympics in Athen. Schon in Athen hatte er den damaligen Weltrekord mit einer Weite von 62,15 Metern gebrochen. Geboren wurde Jhajharia 1981 in Rajasthan im Churu Distrikt. Als er acht Jahre alt war, berührte er beim Klettern in einem Baum aus Versehen ein Stromkabel. Trotz relativ rascher ärztlicher Hilfe musste ihm die linke Hand amputiert werden. Der ehemalige Angestellte von Indian Railways arbeitet heute bei der Sports Authority of India.

Erste paralympische Medaillengewinnerin aus Indien

Auch eine Frau aus Indien erzielte bei den Paralympics eine Medaille: Malik Deepa gewann Silber im Kugelstoßen der Frauen in der Kategorie F53. Sie ist die erste indische Frau, die bei den Paralympics eine Medaille gewinnt. Malik Deepa sitzt im Rollstuhl – sie ist vom Brustkorb abwärts gelähmt –, was sie jedoch nicht davon abhält, sich auch in anderen Sportarten wie Speerwurf, Schwimmen, aber auch Abenteuerlichem wie Motor-Rallyes (mit einem Squad oder Auto) in unwegsamen Gegenden im Himalaya zu engagieren. Folgerichtig hält sie auch erfolgreich Vorträge und Seminare zum Thema Motivation. Ihr Motto lautet „Ability beyond Disability“ (Leistungsfähigkeit jenseits von Behinderung). Ihre Querschnittslähmung wurde durch Tumore im Rückenmark hervorgerufen. Sie wurde in den letzten 14 Jahren bereits dreimal deswegen operiert. Malik Deepa ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.

Förderbedarf für Sport in Indien

Es sieht nun ganz so aus, als ob die paralympischen Sportler Indiens Selbstbewusstsein im Sport wieder ein wenig heben würden. Bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 konnte Indien nur zwei Medaillen erzielen (PV Sindhu gewinnt Silber und Bronze für indische Ringerin Sakshi Malik und Turnerin Dipa Karmakar mit viertem Platz gefeiert). An sich eine traurige Bilanz, wenn man bedenkt, dass in Indien über 1,2 Milliarden Menschen leben. Da sollten doch eigentlich mehr Sporttalente zu finden sein. Doch Indien ist traditionell keine Sportnation. Das magere Ergebnis liegt nicht nur an eventuell mangelnder Förderung. Dennoch war das schlechte Abschneiden in Rio für die indische Regierung ein Weckruf. Sie möchte nun der Jugend die sportlichen Vorbilder näherbringen und mehr zur Förderung des Sports in Indien tun.

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