Freitag, 15. Dezember 2017
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Die breite Front mit den darüberrauschenden Wassermassen sind auch für Touristen ein schöner Anblick. Foto: Sardar Sarovar Projekt

Sardar Sarovar Staudamm: Zweitgrößter Staudamm der Welt

Am 17. September 2017 weihte Indiens Premierminister Narendra Modi in Kevadia im Distrikt Narmada im Bundesstaat Gujarat den Sardar Sarovar Staudamm feierlich ein – 56 Jahre nachdem der damalige Premierminister Jawaharlal Nehru den Grundstein für den Damm gelegt hatte. Es ist der höchste Staudamm Indiens und der zweitgrößte Damm der Welt (nach dem Grand Coulee Damm in den USA).

Schließung der Schleusentore, Sardar Sarovar Project
Knopfdruck zur Schließung der Schleusentore. Foto: Sardar Sarovar Project

Am 17. Juni 2017 wurden die Schleusentore des Damms geschlossen und die Wasser des Flusses Narmada gestaut. Der Neubau hatte bis dahin seine volle Höhe von 138 Metern erreicht. Das Fassungsvermögen des Stausees beträgt 4,73 Millionen Kubikmeter. Ursprünglich sollte der Damm nur 88 Meter hoch werden. Doch seit 1999 wurde diese maximale Höhe immer weiter nach oben erhöht. Der 1,2 Kilometer lange Damm ist 163 Meter breit. Jedes der 30 Schleusentore des Damms wiegt über 450 Tonnen und es dauert ungefähr eine Stunde, um die Tore zu schließen.

Wasserversorgung für Millionen

Der Stausee versorgt rund 9.000 Dörfer und über ein Kanalsystem mehr als 180.000 Hektar Land in Gujarat mit Wasser. Das Wasser des Stausees wird außerdem 246.000 Hektar Land in den Wüstendistrikten Barmer und Jalore in Rajasthan sowie 37.500 Hektar in den von Volksstämmen besiedelten Hügeln von Maharashtra bewässern. Außerdem wird ein guter Teil des gestauten Wassers zur Trinkwassernutzung aufbereitet und soll 131 Städte und 9.633 Dörfer – das sind 53 % aller Dörfer in Gujarat – mit Trinkwasser versorgen.

Stromversorgung für drei indische Bundesstaaten

Seine Wasserkraft dient auch der Stromgewinnung. Mit dem Verkauf des Stroms wurden bereits über 160 Milliarden INR (ca. ??? EUR) eingenommen – mehr als doppelt so viel Geld wie der Bau des Staudamms verschlungen hat. Drei indische Bundesstaaten profitieren von der Stromerzeugung durch den Sardar Sarovar Staudamm: Madhya Pradesh, Maharashtra und Gujarat. 57 % der Elektrizität geht nach Maharashtra, 27 % nach Madhya Pradesh und 16 % nach Gujarat.

Verzögerungen auf dem Weg zur Fertigstellung

Sardar Sarovar Staudamm während des Baus
Der Sardar Sarovar Staudamm während des Baus (2006). Foto: AceFighter19

Wie schon erwähnt, wurde das Projekt bereits 1961 angestoßen, hatte sich seitdem aber immer wieder aus verschiedenen Gründen verzögert. Der eigentliche Bau begann 1987. Über ein Jahrzehnt führten Dorfbewohner einen Kampf gegen das Projekt, ein Kampf, der durchaus auch internationale Aufmerksamkeit und Berühmtheit erlangte. Angeführt wurden die Proteste von der Narmada Bachao Andolan („Save the Narmada Movement“). Sie zwangen die Weltbank, sich Anfang der 1990er-Jahre aus dem Projekt zurückzuziehen. Nach einem Prozess am höchsten indischen Gericht (Indian Supreme Court) wurden die Bauarbeiten für fast sechs Jahre gestoppt. Doch dann traf das Gericht am 18. Oktober 2000 eine kontrovers aufgenommene Entscheidung, die den Fortgang der Bauarbeiten erlaubte.

Schattenseiten des Projekts

Rund 200.000 Menschen mussten für den Stausee umgesiedelt werden. Infolge der Veränderungen durch die Aufstauung des Flusses werden weitere Hunderttausende ihr Land oder ihren Lebensunterhalt verlieren. Sehr viele der Betroffenen gehören zum indigenen Stamm der Bhil. Viele der Umgesiedelte kämpfen auf viel zu kleinen, überfüllten Grundstücken ums Überleben. Ihnen fehlt urbares Land oder Möglichkeiten anderweitig für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Viele Dorfbewohner sind daher lieber auf ihrem Land geblieben und wollten abwarten, als stattdessen ein Leben in Not und Entbehrung zu führen. Die Konflikte zwischen Gegnern und Befürwortern des Projekts sind noch lange nicht gelöst.

Dennoch: Der Sardar Sarovar Staudamm ist ein beeindruckendes Bauwerk und wird sicher auch von vielen Touristen aus dem In- und Ausland besucht werden.

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