Dienstag, 25. September 2018
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Sikkim
Foto: Rajarshi Mitra

Sikkim erster Öko-Staat der Welt

Der kleine indischen Bundesstaat Sikkim hat sich in den letzten 20 Jahren zu einem wahren Öko-Staat entwickelt. Das Land ist klein – nur etwa halb so groß wie Schleswig-Holstein – und hat nur rund 610.000 Einwohner. Mit seinen umfangreichen Umweltschutzmaßnahmen dient es nun zwar als Vorbild, aber es wird für andere, vor allem größere Länder nicht einfach werden, dem Erfolg Sikkims im Umweltschutz nachzueifern.

Verbot von Kunstdünger und Pestiziden

Biogemüse in Sikkim
Alles 100% Bio. Foto: Reinhard Gessl

Seit 2016 darf in Sikkim nur noch Biolandwirtschaft betrieben werden. Gentechnik, Pestizide oder chemische Dünger sind seitdem per Gesetz verboten. Das Gesetz und seine Umsetzung wurden von langer Hand vorbereitet. Im Jahr 2003 verabschiedete das Parlament Sikkims eine Resolution, in der Öko-Landwirtschaft für ganz Sikkim als Agrarsystem festgelegt wurde. Sowohl die Bevölkerung als auch die Bauern wurden in Schulungen und Aufklärungsveranstaltungen über die Vorteile der Ökolandwirtschaft aufgeklärt. Gleichzeitig wurden immer weniger Kunstdünger und Pestizide importiert.

Seit 2016 ist es nun strafbar, chemische Mittel zur Schädlingsbekämpfung zu nutzen. Wer gegen das Gesetz verstößt, muss 100.000 INR (knapp 1.250 EUR) bezahlen.

Die Umstellung, die bereits allmählich im Jahr 2003 begann, war nicht einfach. Es gab Ernteausfälle, unter anderem weil der Boden völlig ausgelaugt war und sich erst einige Jahre vom konventionellen Anbau erholen musste. Die Bio-Produkte waren teurer als importierte konventionell angebaute Gemüse- und Obstsorten, die zudem auch noch größer und schöner daherkamen. Viele Bauern hatten Zweifel, ob Bio-Landwirtschaft wirklich das Richtige sei.

Verbot von Plastiktüten

Street food ohne Plastikgeschirr
Auch Street Food wird nicht mehr in Plastikgeschirr verkauft – man greift auf altbewährte frühere Methoden zurück. Foto: Wasin Waeosri

1998 wurden Plastiktüten in Sikkim verboten. Weggeworfene Einkaufstüten, die es vor den 1980er-Jahren in Sikkim noch gar nicht gab, hatten die Regenabflussrinnen verstopft, was zu einer Reihe von Erdrutschen führte. Jetzt gehen die Bewohner von Sikkim wieder wie früher mit ihren selbst genähten Taschen zum Einkaufen. Lose Lebensmittel werden in große Blätter oder Zeitungspapier verpackt. Hohe Strafen und der Entzug der Verkaufslizenz haben die Händler schnell zum Umdenken veranlasst. In den Schulen werden die Kinder zudem über die Schäden, die Plastik in der Umwelt anrichten kann, informiert.

2016 wurde das Verbot von Plastik auf Wasser in Plastikflaschen, Einweggeschirr, Styproporbehälter für Essen, Plastikstrohhalme etc. ausgeweitet. Stattdessen werden wieder verwendbare Wasserflaschen empfohlen und gefiltertes Wasser in Glässern oder Tassen angeboten. Und es gibt staatliche Wasserausgabestellen mit sauberem Wasser, wo man seine Wasserflaschen auffüllen kann. Auch Touristen sind aufgefordert, keine Plastikflaschen mit ins Land zu bringen.

Inzwischen gibt es in 25 der 29 indischen Bundesstaaten Plastikverbote verschiedenen Grades. Leider werden die Verbote oft nicht befolgt und Verstöße selten geahndet. Teilweise ist der Erfolg in Sikkim auch dem Respekt der Bevölkerung gegenüber dem Gesetz geschuldet. Die buddhistische Minderheit in Sikkim bringt der Natur ohnehin einen größeren Respekt als Angehörige anderer Religionen entgegen. Für sie ist jeder Wald, jeder See und die Berge des Himalaya heilig.

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