Dienstag, 25. September 2018
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Löwe im Gir Nationalpark in Gujarat. Foto: Shaunak Modi

Welt-Löwen-Tag: Die letzten asiatischen Löwen leben in Indien

Es gibt eine Menge Aktionstage, die man als kurios bezeichnen könnte – wie den Welt-Pinguin-Tag am 20. Januar und 25. April oder den Welt-Löwen-Tag heute, am 10. August, und den Internationalen Tag des Löwen am 15. August –, aber so kurios diese Gedenktage auch sein mögen, sie haben auch ihr Gutes. Denn so viel ist sicher: Die freilebenden Löwen dieser Welt brauchen unsere Aufmerksamkeit und unseren Schutz. Gerade erst ging der Abschuss des Löwen Cecil in Zimbabwe, der von einem leidenschaftlichen Großwildjäger aus Kanada erlegt wurde, durch die Weltpresse und rief eine weltweite Welle der Entrüstung hervor. So viel negative Presse für Löwenjäger wird die Jagd auf die Großkatzen hoffentlich wenigstens eine Weile wieder eindämmen.

Der heutige World Lion Day findet in Erinnerung an die berühmte afrikanische Löwin Elsa in Kenia statt. Sie wurde wild geboren, aber von Joy und George Adamson großgezogen, weil der Wildhüter George Adamson ihre Mutter töten musste, weil sie ihn angegriffen hat. Elsa und zwei ihrer Geschwister wurden anschließend erfolgreich wieder ausgewildert. Joy Adamson schrieb ein Buch über Elsa („Frei geboren“), das 1960 erschien und 1966 sehr erfolgreich verfilmt wurde. Die rührende Geschichte hat in den 1960er-Jahren weltweit so viel Sympathie für den König der Tiere geweckt, dass ihm dadurch das Überleben bis heute gesichert wurde, wenn auch auf einem kläglichen Niveau trotz der immer mehr und immer lauter werdenden Stimmen, die seit dieser Zeit vor rund 50 Jahren für den Schutz der Löwen plädieren. Rund 30.000 Löwen soll es in Afrika zurzeit noch geben – vor 40 Jahren waren es noch rund 250.000 Tiere.

Eine Löwin, die der Fotograf bei der jüngsten Populationszählung in Gujarat vor die Linse bekam. Foto: vaidyarupal
Eine Löwin, die der Fotograf bei der jüngsten Populationszählung in Gujarat vor die Linse bekam. Foto: vaidyarupal

Weitaus dramatischer ist die Situation des asiatischen Löwen (panthera leo persica), dessen Verbreitungsgebiet ursprünglich von Südosteuropa, über den Nahen und Mittleren Osten bis nach Indien reichte. Die Tiere wurden stark bejagt und waren schon fast ausgerottet. 1857 soll ein einziger Brite allein 300 Löwen erschossen haben. 1913 existierten lediglich 20 asiatische Löwen. Dann ließ der Nawab (ein indischer Herrschertitel, der Statthalter bedeutet) von Junagadh die Jagd auf die Löwen auf seinem Gebiet – dem Gir-Wald in Gujarat – verbieten und stellte die letzten asiatischen Löwen unter seinen Schutz. 1955 verbot die indische Regierung offiziell die Jagd auf Löwen und schuf zehn Jahre später den 1.154 Quadratkilometer großen Gir-Nationalpark, damit die Population wieder wachsen konnte. Heute gibt es in freier Wildbahn wieder 523 asiatische Löwen – ja, lediglich 523, die alle Nachfahren jener 20 Löwen aus dem Jahr 1923 sind. Ein Verlust wie die mindestens zehn Großkatzen, die bei den jüngsten Monsunfluten ertranken, ist äußerst schmerzlich. Die Population ist außerdem aufgrund der geringen genetischen Vielfalt und Inzucht anfällig für Krankheiten. Der asiatische Löwe steht daher schon lange auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Auf der traurigen Top-Ten-Liste der meistbedrohten Tierarten der Erde nimmt der asiatische Löwe Platz 6 ein (an der Spitze steht der Panda-Bär). Da nützt es auch recht wenig, dass die Population im Gir-Nationalpark in den letzten fünf Jahren erfreulicherweise um 27% gewachsen ist und es Bestrebungen gibt, einige Tiere in ein zweites Schutzgebiet (ins Kuno-Palpur-Wildreservat in Madhya Pradesh) umzusiedeln.

Verbreitung von Löwen einst und jetzt. Grafik: Tommy Knocker (Wikipedia Creative Common Licence)
Verbreitung von Löwen einst und jetzt. Grafik: Tommy Knocker (Wikipedia Creative Common Licence)

Vielleicht würde es den Löwen in Indien helfen, wenn auch sie mit Namen versehen würden. Kein einziges der Tiere wurde je mit einem eigenen Namen versehen. Seltsam eigentlich, schließlich war der Löwe bis 1972 Indiens Nationaltier. Immer noch symbolisieren die drei Löwen von der Säule des großen Ashoka die Souveranität der indischen Regierung. In den 1970ern wurde der Löwe als Nationaltier zwar vom Tiger, dessen Populationszahlen auch nicht gerade euphorische Freude hervorruft, abgelöst. Immerhin soll es laut einer jüngsten Zählung noch 2.226 Tiger in Indien geben (30% mehr als 2010). Doch auch das ist sehr wenig, wenn man bedenkt, dass es 1920 schätzungsweise noch 100.000 Tiger in Indien gegeben hat. Die starke Besiedlung und das rasante Bevölkerungswachstum, das immer mehr Wälder für Besiedlungs- und Agrarzwecke einfordert, bedrohen deren Überleben. Allein zwischen 1995 und 2005 hat sich das Verbreitungsgebiet des Tigers in Asien um 40% verringert. Doch die Tiger haben im Gegensatz zu den asiatischen Löwen in Indien den Vorteil, dass sie stärker für den Tourismus beworben werden und dass man den Tieren Namen gibt. Berühmt sind z. B. die Tigerin Machli, der Tiger Baccha, der ihr Enkel sein soll, die Tigerin Mala, die auch Noor genannt wird, ihr Sohn Sultan oder der Tiger Broken Tail, der leider von einem Zug überfahren wurde. Sie alle leben oder lebten im Ranthambore Nationalpark (Machli ist die älteste dieser Tiger und es ist nicht ganz sicher, ob sie noch lebt, da in ihrem Alter die Jagd schon schwer fällt). Die Namensgebung erhöht die emotionale Bindung an die Tiere und vergrößert so die Schar jener, die diese Tiere beschützen möchten.

Darstellungen von Löwen findet man in Indien reichlich (hier: bei den Tempeln von Khajuraho). Foto: Dennis Jarvis
Darstellungen von Löwen findet man in Indien reichlich (hier: bei den Tempeln von Khajuraho). Foto: Dennis Jarvis

Es wäre nun an der Zeit, auch den Löwen in Indien Namen zu geben – und dieser Vorschlag wird auch bereits in der indischen Presse diskutiert. Immerhin ist der Löwe das Symbol der neuen „Make in India“-Kampagne und gerade im Norden Indiens leben sehr viele Menschen die den Löwen im Namen tragen: „Singh“ ist das Sanskrit-Wort für Löwe. Ursprünglich wurden Krieger in Indien so bezeichnet. Dann übernahmen verschiedene Kasten das Wort als Name, darunter auch Guru Gobind Singh, ein Sikh-Guru, der bestimmte, dass nun alle männlichen Sikhs mit Nachnamen „Singh“ heißen sollten. Indien hat so viele wichtige nationale Symbole und Referenzen, die mit Löwen verbunden sind, dass man den asiatischen Löwen durchaus ein Markenzeichen verleihen sollte – so wie zuvor dem Tiger oder dem Elefanten. So selten wie die Tiere sind, könnte man auch aus exklusivem Tourismus zu den Löwen in Asien Profit schlagen, der dann wieder zum Schutz der Tiere eingesetzt werden könnte; etwa so ähnlich wie bei den verbliebenen 880 Berggorillas auf dem Gebiet der Virunga-Vulkane, an der Grenze von Kongo, Ruanda und Uganda. Dort ist der Tourismus zum Schutz der sensiblen Population stark reguliert und die Reisen dorthin sehr teuer, dennoch gibt es genügend Touristen, die einen hohen Preis dafür bezahlen, die seltenen Tiere zu sehen. Warum sollte das nicht auch mit den Löwen im Gir-Nationalpark klappen – vor allem, weil die Wahrscheinlichkeit, wirklich einen Löwen oder ein Löwenrudel zu sehen, durchaus sehr hoch ist. Man bekommt also etwas für sein Geld. Und die Löwen dort haben es allemal verdient, ihren alten Stolz und die ihnen zustehende Würde in Indien zurückzuerhalten. Mit der Benennung der Tiere könnte man inzwischen schon einmal kostenfrei beginnen.

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