Donnerstag, 13. Dezember 2018
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Tiger

Indiens Nationalparks – einst und jetzt

Die meisten Touristen, die heute nach Indien reisen, haben neben dem Besuch des Taj Mahal mindestens auch die Fahrt durch einen der 103 Nationalparks (Stand 2017) auf dem Programm stehen. Der Wunsch ist, einmal einen Tiger in seiner natürlichen Umgebung zu erleben. Um Enttäuschungen vorzubeugen, steht am Eingang eines Nationalparks ein großes Schild:

“ Wir sind nicht sicher, ob Sie einen Tiger sehen, aber wir sind sicher, dass der Tiger Sie sieht“.

Die heutigen Nationalparks bedecken eine Fläche von 40.500 qkm, auf der  circa 2300 Tiger leben sollen. Nun hat nicht jeder Nationalpark auch das passende Biotop, in dem sich Tiger wohlfühlen und es genug Beute für ihn gibt. Daher hat man 53 Tigerschutzgebiete geschaffen in denen man eine Chance hat den Tiger zu beobachten. Indien hat es geschafft, dass der Bestand an Tigern wieder langsam wächst. Seit 1970 ist die Jagd in Indien verboten und in demselben Jahr wurden die ersten 5 Nationalparks gegründet.

Leider hat man das Problem der Wilderei noch nicht ganz in den Griff bekommen, da in China horrende Preise für Tigerfell, Knochen und Fett bezahlt werden. Diese Produkte werden in der traditionellen chinesischen Medizin immer noch verwendet. 1988 setzte eine besonders intensive Wilderei auf Tiger ein, bei der etwa ein Drittel aller Tiger Indiens aus dem Dschungel verschwanden. Allein zwischen 1990 und 1993 waren es ca. 1500 Tiere. Erst der intensive Einsatz von mehr Parkwächtern, eine bessere Ausstattung und Kontrolle konnte den Verlust eindämmen.

Viele der heutigen Nationalparks gehen auf ehemalige Jagdgebiete der Maharadschas zurück, um hier nur einige aufzuführen:

  • Nationalpark Velavadar: Jagdgebiet des Maharadscha von Bhavnagar
  • Nationalpark Bandhavgar: Jagdgebiet des Maharadschas von Rewa
  • Nationalpark Bandipur: Jagdgebiet des Maharadschas von Mysore
  • Nationalpark Ranthambore: Jagdgebiet des Maharadschas von Jaipur
  • Nationalpark Gir: Jagdgebiet des Nawab von Junagadh

Die Jagden waren repräsentative Großereignisse und gingen manchmal über mehrere Wochen. Die Einladung zu einer Tigerjagd half dem Herrscher bei den Engländer als Kolonialmacht oder bei seinen Kollegen, manches Problem aus der Welt zu schaffen.

Asiatischer Löwe
Asiatischer Löwe

Aber es gab sehr verantwortungsvolle Herrscher, wie z.B. Sir Muhammad Mahabat Khanji III, von 1911 bis 1948  Nawab von Junagadh, der als einziger noch den asiatischen Löwen in seinem Revier Gir hatte. Er hatte die Jagd auf diese Tiere unter strengste Strafe gestellt, so das es heute in Gir wieder eine  Population von 500 – 600 Tieren gibt.

Vierhorn Antilope (Chausingha)
Vierhorn Antilope (Chausingha)

Die Inder haben gerade in den letzten Jahren große Erfolge damit erzielt, dass sich selten gewordene Arten in den Nationalparks wieder vermehren. In Kanha z.B. die Vierhorn Antilope, der einzige frei lebende Paarhufer, bei dem es zur Ausbildung von vier Hörnern kommen kann und den als sehr gefährdet eingestuften.

Zackenhirsch (Barasingha)
Zackenhirsch (Barasingha)

In Velavadar ist das Hauptschutzgebiet der Hirschziegen Antilope (Blackbuck).

Hirschziegen Antilope (Blackbuck)
Hirschziegen Antilope (Blackbuck)

Im 19.Jahrhundert war es das häufigste Huftier in Indien und man schätzte den Bestand auf ca. 4 Millionen Stück. Dieser war bis 1964 auf 8.000 Antilopen geschrumpft. Heute leben wieder ca. 50.000 Stück in Indien. Der Kaziranga NP hat weltweit die größte Population an indischen Nashörnern. Durch Trockenlegung von Sümpfen und der Ausdehnung von landwirtschaftlichen Flächen, dazu eine intensive Bejagung ließen den Bestand zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf 200 Stück schrumpfen.

Panzernashorn

Obwohl es heute wieder gute Bestände in Indien und Nepal gibt, wird die Art doch als gefährdet angesehen, genau wie der Bestand an wilden asiatischen Wasserbüffel (Arni) den man weltweit noch  auf 3000 Stück schätzt.

Wasserbüffel (Arni)
Wasserbüffel (Arni)

Um möglichst nahe bei ihren Jagdgebieten zu wohnen, ließen die Maharadschas in unmittelbarer Nähe große aufwendige Jagdpaläste errichten. Nicht nur ein Teil des Harems begleitete ihn. Nebst Diener und Dienerinnen, Köchen, Apothekern, Hufschmieden, Elefantenwärtern und Reitern auch Kuriere welche die Verbindung zum Hauptsitz hielten, daneben Musikanten und Tänzerinnen und ein große Anzahl von Soldaten und Wächtern. Ein wunderbares Beispiel ist der Sariska Palast gegenüber dem gleichnamigen Tiger Schutzgebiet. In diesem Luxushotel können Sie zwar noch einige Trophäen der alten Maharadschas bewundern, aber heute erholen sich die Gäste bei Ayurveda Behandlungen, Yoga, Massagen und lassen sich mit Naturkosmetik verwöhnen und fühlen sich dabei wie ein Maharadscha oder eine Maharani.

Dies ist nur ein Beispiel, wie man ehemalige Paläste zu wundervollen Hotels umgewandelt hat und wo man neben körperlicher und geistiger Entspannung der phantastischen Indischen Natur mit all seinen Tieren und Pflanzen sehr nahe sein kann.

Text und Fotos
HG Vollmer-Verheyen

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