Donnerstag, 23. November 2017
Home - Magazin - Logistik & Verkehr - Modernisierung: Ende der Warteliste in indischen Zügen?
Ein überfüllter Zug in Indien - sicheres Zugfahren sieht anders aus. Foto: travelwayoflife

Modernisierung: Ende der Warteliste in indischen Zügen?

Wer in Indien jemals mit dem Zug gereist ist, kennt das vermutlich: Nicht immer bekommt man sofort ein Ticket, oft steht man erst einmal auf der Warteliste für einen Sitz und damit auch gleichzeitig auf der Warteliste für diese Zugfahrt an sich. Denn ohne Sitzplatz gibt’s kein Ticket. In den allermeisten Fällen bekommt man dann doch noch einen Platz, denn viele Tickets werden zunächst an Leute verkauft, die nur einfach sichergehen wollten, dass sie eine Fahrkarte bekommen, dann aber doch einen anderen Zug nehmen oder überhaupt mit anderen Verkehrsmitteln reisen.

volles Zugabteil Indien
Eng und voll im Abteil – damit soll künftig Schluss sein. Foto: Sharada Prasad CS

Pläne zur Modernisierung

Tejas Express
Der neue Tejas Express, der ab Juni 2017 zwischen Mumbai und Goa verkehrt. Foto: Indian Railways

Die indische Regierung möchte die indische Eisenbahn jedoch stark modernisieren und investiert seit über zwei Jahren kräftig in Indian Railways. Zu den Zukunftszielen des indischen Eisenbahnministeriums gehört auch, dass es ab 2020 spätestens genügend Angebote für Fahrgäste geben wird, sodass das Wartelistensystem ab dann hinfällig geworden ist. Dies will Indian Railways schaffen, indem auf den wichtigsten Strecken bestimmte Korridore, d. h. neue Schienen für den Warenverkehr auf Schienen geschaffen werden, so Eisenbahnminister Suresh Prabhu in einem Interview Ende April 2017. Damit sind die Strecken für den reinen Personenverkehr weniger belastet und haben eine größere Kapazität.

Umgerechnet fast 120 Mrd. Euro Investitionen stellt die indische Regierung für die Eisenbahn zur Verfügung. In den letzten zweieinhalb Jahren wurden schon 16.500 Kilometer Schienen parallel zum bestehenden Schienennetz verlegt. In den 70 bis 75 Jahren zuvor waren es insgesamt nur 20.000 Kilometer. Es wurde aber auch höchste Zeit, dass der Ausbau der Eisenbahninfrastruktur in Indien vorangeht, denn das Volumen sowohl im Personenverkehr als auch beim Warentransport auf der Schiene hat in den letzten beiden Jahrzehnten sehr stark zugenommen. Doch wenn alle Schienenbauprojekte bis 2020 abgeschlossen sind, könnte es tatsächlich klappen, dass die Zeit der Wartelisten vorbei ist.

Anpassung an internationalen Standard

Tejas Express
Sogar Screens wie im Flugzeug wird es im Tejas Express geben. Foto: Indian Railways

Zusätzlich zum normalen Zugangebot sind auch bequemere Waggon- und Servicevarianten bei den Zügen geplant. Bald schon, nämlich im Juni 2017, soll ein Personenzug zwischen Mumbai und Goa verkehren, in dem es wie im ICE ein Bordrestaurant geben wird und Tee- und Kaffeeautomaten und individuelle LCD-Screens an jedem Sitz (wie im Flugzeug) zur Verfügung stehen. Der Tejas Express soll 20 Waggons haben und über automatische Türen verfügen – eine Neuheit im Eisenbahnverkehr in Indien. Auch die Toiletten, sonst eher eine Zumutung in indischen Zügen, werden nach ähnlichen Standards wie in unseren ICEs ausgestattet sein. So manch ein Nostalgiker mag da den Niedergang der wunderbar unbequemen, aber abenteuerlichen Zugreisen in Indien kommen sehen. Und es stimmt schon: Wenn einst alle Züge in Indien so aussehen wie bei uns, hat man zuhause nicht mehr so viel zu erzählen. Aber seien wir mal ehrlich: Angenehmer werden die Zugreisen in Indien dann schon.

Zugfahren in Indien

Wenn Sie sich über das Reisen mit Zügen in Indien informieren möchte, lesen Sie unsere sechsteilige Serie Zugreisen in Indien: www.indienaktuell.de/magazin/tourismus/zugreisen-indien-1-659317

Auch Interessant:

Copyright: Wikinger Reisen

Verlosung: Reise ins Himalaja

In Zusammenarbeit mit Lufthansa verlost Wikinger Reisen unter dem Motto „Aktive Indien-Fans gesucht“ eine Reise …

Schreibe einen Kommentar