Sonntag, 18. November 2018
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Foto: (c) Sabri Dridi / Sandeep Kumar Films
Foto: (c) Sabri Dridi / Sandeep Kumar Films

Weltreligion im Keller: Die Welt der Hindus in Österreich

Obwohl jeder siebte Erdenbürger Hindu ist, wurde die drittgrößte Religion der Welt in Österreich bisher gesetzlich noch nicht als Religionsgesellschaft anerkannt. Doch nicht nur deshalb fokussiert sich ihr kulturelles und spirituelles Leben noch immer in einem kleinen Kellerlokal
hinter dem Wiener Rathaus.

Jeden Sonntag Nachmittag treffen sich zahlreiche gläubige Hindus im engen Souterrain der Lammgasse 1 in der Josefstadt zum gemeinsamen Gebet und religiösen Ritualen. Was in Indien völlig undenkbar wäre, ist 7.000 Kilometer weit weg von der Heimat gelebte Normalität. Einem Hindu, der direkt aus Indien kommt, würde ein religiöses Treffen an einem solchen Ort einigermaßen grotesk erscheinen. Denn ein Gotteshaus in einem Keller einzurichten ist in Indien an sich schon undenkbar, aber die Tatsache, dass zur gleichen Zeit wie die Andachten gleich schräg darüber im Wirtshaus auch noch Rindsgulasch gegessen wird, ertragen die Mitglieder des Hindu Mandir, wie der Tempel(verein) offiziell heißt, wohl nur mit Hilfe der berühmt-berüchtigten indischen Anpassungsfähigkeit.

Der Hinduismus ist in Österreich keine gesetzlich anerkannte Religionsgesellschaft

Die hinduistische Gemeinde erfüllt nämlich nicht die nötigen Voraussetzungen, zumindest nicht von der Zahl ihrer Mitglieder. Mindestens 17.000 Angehörige der Gemeinde müssten offiziell registriert sein.
Schätzungen gehen allerdings von bis zu 30.000 Personen (aus den verschiedensten Gruppierungen) aus, die sich zwischen Bodensee und Neusiedlersee zum Hinduismus bekennen. Doch die unzureichende Koordination der einzelnen Gruppen, der Mangel an (gemeinsamem) Geld und auch andere Gründe führten zum aktuellen desolaten Zustand der weltweit drittgrößten Religionsgemeinschaft in Österreich.

Mit einer vollen Anerkennung würden die Hindus die Möglichkeit erhalten, neben religiösen auch soziale, gesellschaftliche und kulturpolitische Aufgaben wahrzunehmen, die dem Gemeinwohl dienen. Dadurch könnten sie zum Beispiel aktiv zur Bereicherung der hiesigen Kulturszene beitragen.

Und während wichtige Elemente des Hinduismus wie Yoga, Ayurveda oder Meditation schon seit langem auch in Österreich Einzug gehalten haben und sogar einen Hype erleben, lebt die hinduistische Glaubensgemeinschaft im wahrsten Sinne des Wortes im Untergrund.

Erstaufführung in der Urania

Der neue Dokumentarfilm „Ohne Bekenntnis“ porträtiert das Leben und Leiden der Hindus in Österreich. Der aus Indien stammende Filmemacher Sandeep Kumar, der in Wien lebt und für sein Genre Austro-Bollywood bekannt ist, begleitete über den Zeitraum von zwei Jahren drei Hindus und zeichnet über deren persönliche Geschichte ein sehr realistisches und gleichzeitig unterhaltsames Bild der drittgrößten Weltreligion in Österreich. Zum Auftakt des Seva India Festivals, am Freitag, dem 21. September, wird der noch nicht veröffentlichte Dokumentarfilm „Ohne Bekenntnis“ erstmalig im Urania Kino gezeigt.

Auftaktveranstaltung – Special Screening „Ohne Bekenntnis“: Freitag, dem 21. September, Urania
(Einlass ab 19:00 Uhr, Beginn: 20:00)

Festival-Programm: Samstag, 22. und Sonntag 23. September von 10 bis 18 Uhr
Markhof (Colearning Wien), Markhofgasse 19, 1030 Wien

Tickets und Programm auf www.indiafestival.live

 

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