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‚The Last Color‘, Foto: 16. IFFS
‚The Last Color‘, Foto: 16. IFFS

Regisseurin Dar Gai eröffnet 16. Indisches Filmfestival Stuttgart

Europas größtes indisches Filmfestival setzt ein Zeichen: Mit der Deutschlandpremiere des bildstarken Roadmovies ‚Namdev Bhau – In Search of Silence‘ der indischen Regisseurin Dar Gai startet das 16. Indische Filmfestival Stuttgart am Mittwoch, 17. Juli im Metropol Kino. Bis 21. Juli präsentiert es nahezu 50 aktuelle Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme aus ganz Indien. Allesamt politischer, selbstbewusster und ernsthafter. Aber auch die Unterhaltung kommt nicht zu kurz. Zum Abschluss werden die mit insgesamt 7.500 Euro dotierten Filmpreise ‚German Star of India‘ an die Gewinner der Wettbewerbe vergeben.

Frauenpower aus Mumbai

Mit viel Frauenpower aus Stuttgarts Partnerstadt Mumbai kommt das indische Kino nach Stuttgart: Neben Dar Gai haben sich die Schauspielerin Sonal Sehgal (‚Lihaaf – The Quilt‘), die Filmemacherinnen Sumi Mathai und Archana Phadke, Tattoo-Fan und Dokumentarfilmerin Sapna Bhavnani und Kamerafrau Pooja Gupte (Podium ‚Making of Indian Cinema‘) angemeldet. Ein Wiedersehen gibt es mit der langjährigen Festival- Kuratorin Uma da Cunha, die ihre Kollegin Therese Hayes aus Palm Springs mitbringt.

„Namdev Bhau – In Search of Silence“

Im Eröffnungsfilm begleitet die in der Ukraine geborene und in Mumbai lebende Regisseurin Dar Gai einen Taxifahrer, der vor dem ohrenbetäubenden Straßenlärm der Metropole ins Tal der Stille flieht. Auf seinem Weg zum Sehnsuchtsort im Himalaja begegnet ihm ein Junge, der seine Eltern sucht. Für beide beginnt ein großes Abenteuer. Zur Deutschlandpremiere in Stuttgart kommt Dar Gai auf den Roten Teppich vor dem Metropol Kino.

‚Lihaaf -The Quilt‘

Mit Spannung erwartet das Publikum die Weltpremiere von Rahat Kazmis ‚Lihaaf -The Quilt‘ mit der brillanten Tannishtha Chatterjee (‚Zeit der Frauen‘). Es geht um einen Gerichtsprozess gegen die gefeierte Autorin Ismat Chugtal (1915 bis 1991). Ihr wird vorgeworfen, eine obszöne Beziehungsgeschichte zweier Frauen verfasst zu haben. Zur Weltpremiere kommt Schauspielerin und Co-Autorin Sonal Sehgal. Die Festivalbesucher begleiten gleich mehrere Filmhelden auf der Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit, geliebten Menschen und Frieden. So muss im großen Historienfilm ‚Ek Je Chhilo Raja – The Imposter Prince‘ ein Gericht in den 1940er Jahren klären, ob ein plötzlich aufgetauchter geheimnisvoller Mönch der rechtmäßige Erbprinz oder ein Betrüger ist. Regisseur Srijit Mukherji, der diese berührende und geheimnisvolle Geschichte inszeniert hat, wird zum Screening in Stuttgart erwartet.

‚Abyakto – The Unsaid‘

In Arjun Duttags Drama ‚Abyakto – The Unsaid‘ nähert sich ein Sohn nach dem Tod seines Vaters einem Familiengeheimnis. In Gesprächen erkundet er die verheimlichte Homosexualität seines Vaters. ‚The Sweet Requiem‘ von Ritu Sarin und Tenzin Sonam konfrontiert eine Frau in der Community der Exil-Tibeter in Delhi mit ihrer Vergangenheit.

‚The Last Color‘

Gleich zweimal ist der indische Sternekoch Vikas Khanna im Festivalprogramm vertreten: ‚The Last Color‘, sein Spielfilm-Debüt als Regisseur, dreht sich um Witwen, Waisenkinder und Polizeiwillkür. In ‚Buried Seeds‘ porträtiert Andrei Severny den indischen Spitzenkoch und seine umweltbewusste Küchenphilosophie.

‚Hamid‘

Im diesjährigen Schulfilm ‚Hamid‘ sucht ein Junge seinen Vater, der – wie so viele andere Väter – im blutigen Kashmir-Konflikt plötzlich spurlos verschwunden ist.

‚Chippa‘

Regisseur Aijaz Khan diskutiert nach der Vorstellung mit dem Publikum. Der diesjährige Familienfilm ‚Chippa‘ von Safdar Rahmans wird von der Stuttgarter Schauspielerin Juliane Bacher live in Deutsch eingesprochen. Auch in diesem Drama vermisst ein kleiner Junge seinen Vater. Ein Brief in unbekannter Sprache bringt ihn auf eine Spur. Vor ‚Chippa‘ gastiert im Kinosaal das traditionelle Marionettentheater ‚Kathputli‘ aus Rajasthan.

Die satirische Komödie ‚#Gadhvi‘ von Gaurav Bakshi erzählt augenzwinkernd, wie der Pazifist Gadhvi in den sozialen Medien zum Gesicht der Anti-Korruptionsbewegung aufgebaut wird. In ‚Ek Sangaychay – Unsaid Harmony‘ von Lokesh Vijay Gupte eskaliert in vier Familien der Generationenkonflikt, bis eine blutige Tragödie einen Wendepunkt setzt. Wagt er den verbotenen Schritt auf den heiligen Berg? Einem Schäfer stellt sich in ‚Sona Dhwandi Bhed Te Suchha Pahad – The Gold-Laden Sheep & The Sacred Mountain‘ von Ridham Janve nach einem Flugzeugabsturz auf heiligen No-Go-Boden diese Frage.

Die fünftägige cineastische Indienreise wagt einen kritischen Blick hinter die verschwiegenen Mauern eines Ashrams für Witwen (‚Widows of Vrindavan‘ von Onir) und skizziert in ‚Women’s Voice – India’s Choice‘ von Shammi Singh eine Landkarte über die gesellschaftliche Situation der Frauen in Indien. Der Punkmusiker und Yoga-Lehrer aus Stuttgart feiert mit seiner Doku Weltpremiere. Gleich mehrere Festivalfilme porträtieren spannende Menschen. So ‚G.D. Naidu – The Edison of India‘ (Regie Ranjith Kumar), der die Bombardierung Stuttgarts überlebte und in der Region treue Freunde fand. Anjali Bhushan erinnert in ‚My Home India‘ an ein Botschaftsteam in Mumbai, das im Zweiten Weltkrieg 5.000 polnische Kriegsgefangene vor den Lagern in Russland gerettet hat.

Mit 50 Jahren lernte ‚Coral Woman‘ (Regie Priya Thuvassery) den Tauchsport und landete in Korallenriffs, die von Plastikmüll zerstört werden. Im Rahmen einer Tee Matinée werden der Friedensnobelpreisträger von 2014, Kailash Satyarthi (‚Satyarthi‘ von Pankaj Johar) und seine Kinderhilfsprojekte filmisch vorgestellt. Die Doku ‚Peacock Plume‘ widmet Shabnam Sukhdev der von Lebenkrisen geschüttelte Tänzerin Shubhada Varadkars, die auch beim Festival in Stuttgart auftreten wird. Und der Münchner Bollywood-TV-Sender ZeeOne stellt in einem Special angesagte Deutsch synchronisierte TV-Serien aus Indien vor.

Filmpreis ‚German Star of India‘

Bevor die begehrten Filmpreise ‚German Star of India‘ zum Abschluss des Festivals vergeben werden, darf sich das Publikum auf ein vielseitiges Rahmenprogramm freuen. Die baden-württembergische Staatsministerin Theresa Schopper nimmt an einem ‚Tea Talk‘ über die Beziehungen zwischen Europa und Indien teil. Vier Kameraleute aus Indien erklären in ‚Making of Indian Cinema‘ ihre Sichtweise auf Filmstories und Manoj Baruah aus Assam bringt seine fünfsaitige Geige mit.

Das ganze Festivalprogramm unter www.indisches-filmfestival.de

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