Dienstag, 21. November 2017
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Saameer Mody von Pocket Films

Interview mit Saameer Mody von Pocket Films

Der Wettbewerb „Short Takes“ findet zum siebten Mal im Rahmen des Indischen Filmfestivals Stuttgart (19. bis 23. Juli, Metropol Kino Stuttgart) statt.

Durchgeführt wird der Wettbewerb von Pocket Films, Indiens führendem Anbieter von alternativem Online-Content. Unter www.youtube.com/pocketfilms stellt Pocket Films Kurzfilme, Independent-Filme und Dokumentarfilme zum Abruf bereit.

Saameer Mody von Pocket Films spricht im Interview über aktuelle Trends in der indischen Shorts-Szene.

Welche Tendenzen zeigen sich aktuell beim indischen Kurzfilm? Gibt es eine Veränderung in der Wahrnehmung dieses Genres – und wenn ja, wie sieht diese aus?

Saameer Mody: „Die Wahrnehmung hat 2016 einen Paradigmenwechsel erfahren. Die Beliebtheit wuchs beständig an über die Jahre, ganz speziell aber in den letzten zwei Jahren. Früher ein armer, entfernter Verwandter des Spielfilms, ist der Kurzfilm heute der sprichwörtliche Goldjunge des Kinos. Speziell im Jahr 2016 hat eine beträchtliche Anzahl an bekannten und etablierten Persönlichkeiten des Mainstreams und der Fernsehindustrie mit Kurzfilmen experimentiert.

Um nur einige zu nennen, Manoj Bajpayee war ziemlich aktiv in diesem Bereich mit vier bis fünf Kurzfilmen in den vergangenen Jahren. Tisca Chopras Kurzfilm ‚Chutney’ wurde rasend schnell erfolgreich, konnte bereits kurz nach der Veröffentlichung beträchtliche Zuschauerzahlen und Einspielergebnisse vorweisen. Saurabh Varma von Mickey Virus fame wurde ebenfalls vom Kurzfilm-Bazillus infiziert. Nachdem er bei ‚Mädchen in Rot’ (co-produziert von Pocket Films) im Dezember 2016 Regie geführt hatte, wird er seinen nächsten Kurzfilm bereits am 21. Februrar 2017 veröffentlichen.

Ich glaube, Kurzfilme sind für Filmschaffende ein Medium, das es ihnen erlaubt, sich auszudrücken – ohne die üblichen kommerziellen Einschränkungen des Mainstream-Kinos. Dazu kommt die wachsende Zahl an Streaming-Angeboten, die zunehmende Übermittlung von Video-Inhalten über Internet-Zugänge und die 4G Breitband Technik zu einem Preis, den sich immer mehr Menschen leisten können, all dies führte zu einer enormen Nachfrage nach Kurzfilmen. Alles in allem haben wir momentan wohl die besten Zeiten für Kurzfilme in Indien – und und offen gesagt glaube ich, das ist erst der Anfang.“

Welche Themen finden momentan verstärkt ihren Weg ins freie, unzensierte Netz – und welche werden zunehmend rarer?

Saameer Mody: „Komödien und romantische Komödien sind derzeit das populärste Genre. Aber nach dem ersten Ansturm können wir beobachten, dass nun bezüglich der Inhalte verstärkt experimentiert wird. Immer mehr Filmschaffende wenden sich auch anderen Genres zu, inklusive des Dramas oder des Thrillers. Wir glauben auch, dass das Horror-Genre großes Potential hätte im digitalen, unzensierten Netz. Markenprodukte haben in der Wachstumsphase anfangs eine wichtige Rolle gespielt und den digitalen Contents überwiegend positiv beeinflusst. So wurden bezüglich der Inhalte und des Storytellings gewisse Maßstäbe gesetzt.

Auch zeichnete sich im letzten Jahr ab, dass Trend und Nachfrage hin zu Web-Serien geht. Fast alle Plattformen wetteifern um die Aufmerksamkeit des Publikums, indem sie exklusive Originalinhalte, z.B. eigene Web-Serien, anbieten. Einige dieser Web-Serien haben bewiesen, dass sie in höchstem Maße erfolgreich sein können. Sie haben sich ein eigenes Stammpublikum erobert und sind in der IMDB-Topliste höher platzierte als einige populäre Spielfilme.“

Was bedeuten das Indische Filmfestival Stuttgart und der Kurzfilmwettbewerb für die Filmemacher?

Saameer Mody: „Der Kurzfilmwettbewerb, eine Kooperation von Indischem Film Festival Stuttgart und Pocket Films, hat erfolgreich das sechste Jahr seines Bestehens vollendet und startet in Kürze in die siebte Saison. Die Popularität des Wettbewerbs wuchs seither beständig an. In der Saison 2016 konnte die höchste Anzahl an Teilnehmern verzeichnet werden, mit über 180 eingereichten Filmen. Kurzfilme genießen inzwischen die Zuneigung und den Respekt der Filmemacher und so steigt die Anzahl derjenigen, die hoffen, dass ihr Kurzfilm in Stuttgart gezeigt wird.

Ein sehr wichtiger Grund für die wachsende Popularität ist das Festival selbst. In den letzten Jahren haben einige Gewinner das Festival besucht und sie kamen zurück mit schönen Erinnerungen und einer großen Liebe zum Festival. Sie waren extrem glücklich mit der warmen Begrüßung durch das Team, der unglaublichen Gastfreundschaft, dem Filmprogramm und natürlich der Stadt Stuttgart. Sie fühlten sich privilegiert, das Festival besuchen und dabei sein zu dürfen und diese Freude und Begeisterung schwappt mittels der Sozialen Medien über auf ihre Freunde und Kollegen. Und das führt dazu, dass mehr und mehr Filmemacher teilnehmen und hoffen, ausgewählt zu werden und dann auch selbst das Festival besuchen zu dürfen.“

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