Albert Einstein (links) und Rabindranath Tagore am 14. Juli 1930.

Zum Gedenken an Rabindranath Tagore

Am 7. Mai 1861 wurde der indische Dichter und spätere Literaturnobelpreisträger, Maler, Komponist, Musiker und Philosoph Rabindranath Tagore in Kolkata (früher: Kalkutta) geboren. Als er 1913 den Nobelpreis für Literatur erhielt, war er der erste asiatische Nobelpreisträger. Sein Geburtstag wird immer am 25. Tag des Monats Boishakh nach dem bengalischen Sonnenkalender gefeiert, also nicht an seinem eigentlichen Geburtstag. Dieses Jahr fällt Guru Rabindranaths Geburtstag daher auf den 9. Mai 2015.

Tagore war das jüngste 14 Kindern einer wohlhabenden Familie in Kolkata. Obwohl er hochbegabt war, empfand er seine Schulzeit als bedrückend, weil er mit der autoritären Unterrichtsform nicht umgehen konnte. Tagore verließ die Schule bereits mit 14 Jahren ohne Abschluss. Stärkeren Einfluss als die Schule hatten seine älteren Geschwister auf seine Bildung, z. B. sein Bruder Jyotiridranath, sein Bruder Dwijendranath, ein Lyriker und Philosoph, sowie der zweitälteste Satyendranath, ein Sanskrit-Gelehrter. 1878 wurde er zu seinem Bruder Satyendranath nach England geschickt, um dort Jura zu studieren. Doch die Familie holte ihn nach 17 Monaten wieder nach Indien zurück.

1883 wurde er im Alter von 22 Jahren mit der erst 10-jährigen Mrinalini Devi verheiratet. Die beiden hatten fünf Kinder, von denen jedoch zwei bereits als Kinder starben. Obwohl er selbst seine Frau geheiratet hatte als sie noch ein Kind war, engagierte er sich in Liedern und Essays gegen die Kinderehe. Dennoch wurden auch seine beiden ältesten Töchter im Alter von 12 bzw. 14 Jahren verheiratet. Dies brachte ihm später viel Kritik ein.

1894 wurde Tagore Vizepräsident der Bengalischen Literaturakademie. In dieser Zeit entwickelte er die Gattung der bengalischen Novelle, deren bedeutendster Vertreter er ist. Parallet dazu schuf er mehrere Gedichtbände mit Werken in einer neuartigen Sprache und Form.

Seine Kinder unterrichtete der „Schulversager“, wie man heute sagen würde, oft selbst oder gab sie in die Obhut engagierter Privatlehrer. Im Dezember 1901 gründete er an seinem Wohnsitz in Shantiniketan eine Schule, in der seine Kinder unterrichtet wurden. Ein Jahr später starb seine Frau nach 19 Jahren Ehe, kurz darauf seine zweitälteste Tochter an Tuberkulose, 1907 sein jüngster Sohn an Cholera. In dieser Zeit entwickelte sich seine Schule zu einem neuen Schulsystem, das sich vom britischen System emanzipierte und sich am hinduisten Brahmacharya-Ideal orientierte. Dies bedeutete, dass die Kinder mit ihrem Guru (Lehrer) zusammenleben und intuitiv sowie durch Vorbilder lernen sollten.

1912 ging Tagore mit seinem Sohn Rathindranath zur Erholung und um neue Inspirationen zu erhalten auf eine 16-monatige Reise nach England und in die USA. Noch war sein Werk in Europa kaum bekannt. Doch in London traf er William Butler Yeats, George Bernard Shaw, Ezra Pound und Ernest Rhys. Yeats redigierte seine ins Englische übersetzten Gedichte. Zusammen mit dem Maler William Rothenstein und Arthur Fox Strangways sorgte Yeats außerdem für die Veröffentlichung des Gedichtbandes Gitanjali. Sein Werk beeindruckte die Europäer tief. 1913 erhielt er den Literaturnobelpreis.

Der Ruhm durch diese große Ehre brachte ihm mehrere Vortragsreisen durch Asien, Europa und Amerika. Dort plädierte er für eine Synthese aller positiven Elemente aus westlichem und östlichem Denken. Er warb auch für seine Schule in Shantiniketan und sammelte Geld für deren Unterhalt.

Tagore veröffentlichte nicht nur Werke als Dichter, visueller Künstler, Bühnen- und Romanautor und Komponist, er beeinflusste die indische Musik und Literatur des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts nachhaltig. Die bengalische Literatur revolutionierte er mit seinen Werken „Gitanjali“ oder „Ghare baire“ (Das Heim und die Welt). Diese Zeit ging als „bengalische Renaissance“ in die Literaturgeschichte Bengalens ein. Er war ein Universalgelehrter sowie ein engagierte Kultur- und Sozialreformer und modernisierte auch die Kunst seiner Heimat. Und ein besonderes Verdienst ist auch die Gründung seiner Bildungsorganisation in Shantiniketan.

Für die Menschen in Westbengalen ist Rabindranaths Geburtstag ein ganz besonderer Feiertag. Es gibt Kulturveranstaltungen und Lesungen seiner poetischen Werke, Musik, Schauspiel und traditionelle Musik und Tänze werden aufgeführt. Besonders ausgiebig wird in Shantiniketan, der von Tagore gegründeten Universität, gefeiert.

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