Foto: Ragesh Vasudevan

Weihnachten in Indien

Im Vergleich zu anderen religiösen Festen ist Weihnachten ein relativ kleines Fest in Indien. Nur etwa 2,5% der Bevölkerung sind Christen. Das sind aber immerhin rund 30 Millionen Menschen.

Die meisten Christen in Indien leben in Kerala, Tamil Nadu, Goa, Manipur und Mizoram und es gibt eine große christliche Gemeinde in Mumbai. Wundern Sie sich also nicht, wenn dort zu Weihnachten Scharen von Weihnachtsmännern, manchmal ganze Busse voll, durch die Straßen ziehen. Die meisten Christen dort sind römisch-katholisch. Daher ist ihnen auch die Mitternachtsmesse sehr wichtig. Die ganze Familie besucht die Messe. Die Kirchen sind mit Poinsettias (dem roten Weihnachtsstern) und Kerzen geschmückt. Anschließend feiert man ein großes Fest mit verschiedenen köstlichen Speisen (meist Currys) und wie bei uns werden Geschenke verteilt.

Anstelle eines traditionellen Weihnachtsbaumes wird eine Bananenstaude oder eine Mangobaum geschmückt – oder sonst irgendein Baum, den man gut schmücken kann. Mangobaumblätter werden auch benutzt, um zu Hause die Wohnung zu schmücken.

In Südindien stellen Christen oft brennende Öllampen auf ihre flachen Häuserdächer, um den Nachbarn zu zeigen, dass Jesus das Licht der Welt ist. In Mumbai stellen viele Krippen ins Fenster (inzwischen ist das ein wahrer Wettbewerb, wer die schönste, beste und wahrhaftigste Krippe hat). Manchen Familien hängen große sternförmige Lampen zwischen die Häuser, sodass man durch einen wahren Sternenhimmel wandelt, wenn man durch christlich geprägte Viertel geht. Und jeder Haushalt sorgt dafür, auch für unerwartete Gäste genügend Süßigkeiten im Haus zu haben.

Im Nordwesten Indiens geht das Volk der Bhil während der Weihnachtszeit eine Woche lang Nacht für Nacht auf die Straße, um die ganze Nacht hindurch ihre ganz eigenen Weihnachtslieder zu singen. Sie umrunden Dörfer und erzählen in ihren Liedern die Weihnachtsgeschichte.

Im Südwesten, in Kerala, wo etwa 22% der Christen des Landes leben, ist Weihnachten ein sehr wichtiges Fest. Die ganz traditionellen Christen fasten vom 1. bis zum 24. Dezember – bis nach der Mitternachtsmesse. Jedes Haus wird mit einem Weihnachtsstern dekoriert, die man ab Anfang Dezember in jedem Schreibwarenladen erhält. Krippen schmücken nicht nur die Kirchen, sondern auch das Zuhause vieler Christen.

In Indien beschenkt Father Christmas oder Santa Claus die Kinder. Er kommt mit einer Pferdekutsche. Genauso wie bei uns glaubt man, dass er nur die Kinder beschenkt, die sich während des Jahres auch gut benommen haben. In diesem Sinne: Merry Christmas! Frohe Weihnachten!

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