Filmpreis German Star of India 2018: „Ottamuri Velicham – Light in the Room“ von Rahul Nair

Indisches Filmfestival Stuttgart: German Star of India für Regisseur Rahul Nair

Das Drama „Ottamuri Velicham – Light in the Room“ von Rahul Nair ist am Sonntag zum Abschluss des 15. Indischen Filmfestival Stuttgart im Metropol Kino in Stuttgart mit dem German Star of India in der Kategorie Spielfilm ausgezeichnet worden. Der German Star of India in der Kategorie Kurzfilm geht an „Pawasacha Nibandi – An Essay of the Rain“ von Nagraj Manjule. „Kho Ki Pa Lü – Up Down & Sideways“ von Anushka Meenakshi wurde mit dem German Star of India in der Kategorie Dokumentarfilm ausgezeichnet. Der Spielfilm „Love and Shukla“ von Siddartha Jatla gewann den Director’s Vision Award. Im Wettbewerb wurden Preise im Gesamtwert von 7.700 Euro vergeben. An den fünf Festivaltagen kamen über 5.000 Besucherinnen und Besucher.

Resümee des 15. Indischen Filmfestival Stuttgart

Die cineastische Indienreise begeisterte das Publikum mit brillanter Filmkunst und unterhaltsamen Sommerhits des indischen Kinos. Einen besonderen Stopp legte das Programm in Mumbai ein, seit 50 Jahren Stuttgarts indische Partnerstadt. Der bald 90-jährige Gerson da Cunha, ein weiser Sohn der Metropole, porträtierte klug und charmant in einem biografischen Talk mit Festivalleiter Oliver Mahn seine Geburtsstadt. Ein Filmblock widmete sich der Sprachenvielfalt Indiens. Und im ausverkauften Schulfilm „Ubuntu“ von Pushkar Shrotri kämpften Schulkinder im Bundesstaat Maharashtra um das Menschenrecht auf Bildung.

Ein gutes Dutzend indischer Regisseure, Schauspieler und Produzenten mischte sich auf Europas größtem indischen Filmfestival unters Publikum, so Regisseur Onir und Geetanjali Thapa, die Hauptdastellerin seiner WhatsApp-Romanze „Kuchh Beege Alfaaz – Rain Soaked Words“. Auch die indische Botschafterin in Berlin, Ihre Exzellenz Mukta Dutta Tomar, wurde auf dem Roten Teppich vor dem indisch gestylten Metropol Kino empfangen.

Spielfilm „Ottamuri Velicham“ ist der große Festival-Gewinner

Die Programmierung des Wettbewerbs um den Filmpreis „German Star of India“ zeichnete sich erneut durch die Entschlossenheit aus, die Freiheiten des Kinos auszuloten.

Der große Gewinner des Festivals heißt „Ottamuri Velicham – Light in the Room“ von Rahul
Nair. Der mit 4.000 Euro dotierte German Star of India, der vom Hauptsponsor des Festivals, Honorarkonsul Andreas Lapp, gestiftet wird, greift das Tabuthema Vergewaltigung in der Ehe auf, das in Indien bisher kaum Gehör fand. Regisseur Nair, der aus dem südindischen Kerala stammt und sich von Freunden das Geld für seinen ersten langen Spielfilm geliehen hat, überzeugte die Jury vor allem mit seiner eindringliche Erzählweise und der Bildsprache des Films. Der Drehort, eine alte Teeplantage, umgeben von grünen Hügeln, wirke nur zu Beginn idyllisch und werde schließlich zum bedrohlichen Gefängnis für die junge, naive Sudha. Die junge Frau – großartig dargestellt von der jungen Schauspielerin Vinitha Koshy – wird mit Chandan verheiratet, dessen zunehmend gewalttätigen Wutausbrüchen sie sich zunächst hilflos ausgesetzt sieht. Doch Sudha beschließt, sich zu wehren. Ein weiterer Grund für die Jury, „Ottamuri Velicham“ auszuzeichnen, war, dass dies ein Film in Malayalam ist, der Sprache des Bundesstaates Kerala, einer Region jenseits der Bollywood-Filmindustrie.

Kurzfilmpreis an „An Essay of the Rain“ von Nagraj Manjule

Der mit 1.000 Euro dotierte Kurzfilmpreis geht an „Pawasacha Nibandh – An Essay of the Rain“ von Nagraj Manjule, der die Jury „in jeder einzelnen Filmminute überzeugt hat“. Der 10-jährige Raja, Sohn einer verarmten Familie, bekommt die Hausaufgabe, einen Aufsatz über die Regenzeit zu schreiben. Für die Jury entsteht daraus „ein Film wie ein Gedicht, oder eben gerade nicht“. „Die unaufdringliche Kamera wird zum Beobachter eines beschwerlichen Alltagslebens und gibt den ergreifend authentischen Protagonisten allen Raum, den diese für ihr grandioses Schauspiel brauchen“, loben die Juroren.

Der anfängliche Aufruf im Film, der Poesie des Alltäglichen nachzuspüren, falle aufgrund der malerischen Bilder zuerst leicht. Doch schnell werde der schöne Schein hinweggespült vom eigentlichen Hauptprotagonisten des Films, dem unaufhörlichen Monsunregen. „Omnipräsent ist er im Film, durchnässt die Darsteller, rauscht permanent auf der Tonebene, dringt selbst in die kärglichen Innenräume hinein und erzeugt so einen unaufhörlichen Sog, dem sich weder die Protagonisten, noch wir als Zuschauer entziehen können“, begründet das Gremium seine Entscheidung.

Kho Ki Pa Lü“ gewinnt in Kategorie Dokumentarfilm

Der Dokumentarfilm „Kho Ki Pa Lü – Up Down and Sideways“ von Anushka Meenakshi und Iswar Srikumar überzeugte die Jury. Ihr Porträt des Dorfs Phek in Nagaland, seiner Menschen sowie deren Lieder und Musik, die sie bei ihrer Arbeit begleiten, hat die Jury mit der filmischen Umsetzung und Erzählweise tief beeindruckt. Der Dokumentarfilm biete damit einen intimen Einblick in das Leben in Phek, ohne dabei aufdringlich zu sein: „Wir betreten die abgelegene Gebirgslandschaft, spüren die Körperlichkeit der Arbeit in den Reisterrassen und wie der Rhythmus des Gesangs Gemeinschaft schafft und Kraft verleiht. Die Kameraführung und der langsame, aber rhythmische Filmschnitt erschaffen ein Gefühl von Nähe und Raum für Exploration, was wir für ebenso großzügig wie kühn halten.“

Der Film entwickle eine einfache, aber starke Idee: „Wenn man seinen Platz im Arbeitsrhythmus der Gemeinschaft findet, kann sich das auf den gesamten Lebensrhythmus der Gemeinschaft ausweiten.“ Später werden, so die Jury weiter, dieser schönen Vorstellung Informationen gegenübergestellt – über das konfliktreiche Dasein des Naga-Volkes im heutigen Indien, und seinen Kampf um die Beibehaltung seiner Lebensweise angesichts extern verhängter Regelungen.

Weitere Filmpreise

Der Director’s Vision Award geht an den Spielfilm „Love and Shukla“ von Siddartha Jatla. Dieser erstmalig mit 500 Euro dotierte Preis vom Magazin „FilmIndia worldwide“ richtet sich an Regisseure, die in ihrem Filmbeitrag ambitioniert den Blick auf einen kulturellen, sozialen oder gesellschaftlichen Missstand richten.

Der vom Münchner Bollywood-TV-Sender Zee.One gestiftete und mit 1.000 Euro dotierte Audience Award wird vom Publikum aus allen auf dem Festival gezeigten Filmen gewählt. Diesmal gewann „Sisya – The Disciple“ von Saraswathi Balgam. Erstmals wurde der „Ishq Dil Se Kritikerpreis“ vergeben, und zwar an „Love & Shukla“ von Siddharth Jatla.

Fazit und Ausblick

Für Wissenschaft, Forschung und Kunst ist das Indische Filmfestival Stuttgart eine Plattform für politische, gesellschaftliche und soziale Themen. Andreas Lapp, Honorarkonsul der Republik Indien für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, lobte die Festivalmacher vom Filmbüro Baden-Württemberg e. V. für ihr Engagement, dem Publikum in Stuttgart einen realistischen Blick auf Indien zu bieten. Auch seitens der Stadt Stuttgart nahm Festivalleiter Oliver Mahn Glückwünsche zum 15. Geburtstag des Indischen Filmfestival Stuttgart entgegen, verbunden mit der Hoffnung auf weitere fruchtbare 15 Festivaljahre.

Das 16. Indische Filmfestival Stuttgart findet vom 17. bis 21. Juli 2019 statt.

www.indisches-filmfestival.de

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