Der Höhepunkt des Festes ist die Prozession dreier riesiger Wagen durch die Stadt. Foto: Rakesh MIshra

Das Rath Yatra Festival in Puri, Odisha

Heute, am 18. Juli 2015, beginnt in Puri im indischen Bundesstaat Odisha (früher: Orissa) eines der wichtigsten spirituellen Feiern Indiens: das hinduistische Wagenfest Rath Yatra, das zu Ehren des Gottes Jagannath, einer Reinkarnation von Krishna, veranstaltet wird.

Die Mythen, die sich um das Fest ranken, erzählen viele Geschichten. In einem sich sie sich einig: Es soll an den alljährlichen Besuch Jagannaths an seinem Geburtsort erinnert werden. Seinen fulminanten Schlusspunkt erlebt das Festival mit der großen Wagenprozession am 26. Juli 2015.

Ratha bedeutet Kutsche, Wagen oder Rad; Yatra heißt übersetzt Pilgerreise. Weltweit gibt es viele Rath Yatras, sogar in New York oder London, auch in Deutschland und der Schweiz. Das Rath Yatra in Puri ist jedoch das ursprünglichste und bekannteste.

Auf dem Höhepunkt des Festes ziehen Tausende Gläubige riesige Prozessionswagen mit dem Bildnis des Gottes Jagannath, dem Herrn des Universums, sowie seinen Geschwistern Balabhadra und Subhadra an Seilen durch die Stadt. Drei unterschiedlich große Wagen werden jedes Jahr nach überlieferten Regeln neu gebaut. Begleitet wird die Prozession von Musik, Tanz und Gebeten.

Um die großen Wagen zu bewegen, benötigt man insgesamt rund 1000 Menschen – das ist kein Schreibfehler: ja, Eintausend! Der Wagen von Jagannath ist natürlich der größte. Er ist fast 14 Meter hoch und hat insgesamt 16 Räder.

Hier werden die großen Räder der Wägen hergestellt. Foto: JnM Rtw
Hier werden die großen Räder der Wägen hergestellt. Foto: JnM Rtw

Ziel der Prozession ist der Gundicha Ghar Tempel, der auch „Gartenhaus“ genannt wird. Nach einer Reihe von Zeremonien werden die Götterstatuen dort wieder an ihren ursprünglichen Platz gestellt und mit kostbarem Schmuck und Kronen sowie – und das ist ein wenig merkwürdig – mit goldenen Armen und Beinen geschmückt. Jagannaths Bildnis hat nämlich keine Arme und Beine. Die Legende sagt, dass der König, nachdem ihm Jagannath im Traum erschienen war, einen Holzschnitzer beauftragte, die Statue anzufertigen. Doch niemand sollte das Bildnis zu Gesicht bekommen, bevor es fertig war, denn dann würde es niemals fertiggestellt werden können. Nun wurde der König aber ungeduldig und warf vorzeitig einen Blick auf die Figur … Sie ahnen sicher, was dann passiert ist.

Das Ratha Yatra ist im Übrigen nicht nur ein religiöses Fest. Wegen der spektakulären Prozession der drei Wagen ist dieses Fest auch bei Touristen sehr beliebt. Man sollte sich jedoch im Gedränge den Wagen nicht zu nahe kommen, denn es kommt immer wieder zu Unfällen bei der Prozession.

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