Foto: Indisches Filmfestival Stuttgart

‚Chippa‘ überzeugt die Jury Gewinner des 16. Indischen Filmfestival Stuttgart Stuttgart

Stuttgart – Das familienfreundliche Roadmovie ‚Chippa‘ von Safdar Rahman ist am Sonntag zum Abschluß des 16. Indischen Filmfestival Stuttgart im Metropol Kino in Stuttgart mit dem German Star of India in der Kategorie Spielfilm ausgezeichnet worden. Der German Star of India in der Kategorie Kurzfilm geht an ‚Nooreh‘ von Ashish Pandey. Für ‚Counterfelt Kunkoo‘ von Reema Sengupta gab es eine Lobende Erwähnung. ‚About Love‘ von Archana Phadke wurde mit dem German Star of India in der Kategorie Dokumentarfilm ausgezeichnet. Regisseurin Sapna Moti Bhavanani bekam für ‚Sindhustan‘ eine Lobende Erwähnung. Der Spielfilm ‚The Last Color‘ von Vikas Khanna gewann den Director’s Vision Award und den Publikumspreis. Im Wettbewerb wurden Preise im Gesamtwert von 7.500 Euro vergeben. An den fünf Festivaltagen kamen mehr als 5.000 Besucherinnen und Besucher.

Auf der cineastischen Indienreisen begegneten dem Publikum gut 20 indische Filmgäste, die mit brillianter Filmkunst und unterhaltsamen Sommerhits des indischen Kinos nach Stuttgart gekommen waren. Europas größtes indisches Filmfestival begrüßte so auch die Regisseurin Dar Gai (Eröffnungsfilm ‚Namdev Bhau – In Search of Silence‘), die Schauspielerin Sonal Sehgal, die zur Weltpremiere des Dramas ‚Lihaaf – The Quilt‘ angereist war, und die indische Kamerafrau Pooja Gupte, die mit drei Kollegen im Podium ‚Making of Indian Cinema‘ über die visuelle Inszenierung indischer Filme sprach.

Zur Weltpremiere des Dokmentarfilms ‚G.D. Naidu – The Edison of India‘ versammelten sich Enkelin und Urenkelin des Porträtierten und Repräsentanten der schwäbischen Unternehmerfamilie Stoll (FESTO) auf dem Roten Teppich. Baden-Württembergs Staatsministerin Theresa Schopper diskutierte mit Shada Islam über die Beziehungen zwischen Europa und Indien.
Rajvinder Singh, bekannte Synchronstimme bei ‚Big Bang Rheory‘, moderierte den Schultag, der Aijaz Khans Kashmir-Drama ‚Hamid‘ thematisierte. Wie indische TV-Serien ticken, verriet der Münchner Bollywood-Sender Zee.One. Und eine kostümierte Führung durch das Ludwigsburger Barockschloss begeisterte die Gäste vom Subkontinent.

Spielfilm ‚Chippa‘ ist der große Festival-Gewinner

Die Programmierung des Wettbewerbs um den Filmpreis ‚German Star of India‘ zeichnete sich erneut durch Entschlossenheit aus, die Freiheiten des Kinos auszuloten.

Der große Gewinner des Festivals heißt ‚Chippa‘ von Safdar Rahman. Der mit 4.000 Euro dotierte ‚German Star of India‘, der vom Hauptsponsor des Festivals, Honorarkonsul Andreas Lapp, gestiftet wird, ehrt den diesjährigen Familienfilm, der im Kino live in Deutsch eingesprochen wurde. Regisseur Rahman überzeugte die dreiköpfige Jury: „‚Chippa‘ ist ein berührender, humorvoller und kreativer Film über Träume und Selbstfindung. Der Film bietet mit großartigen Schauplätzen, modernen Filmelementen, seinem wundervollen Hauptdarsteller Sunny Pawar, tollen Nebenrollen und dem großartigen Drehbuch von Sardar Rahman großartige Unterhaltung für alle und wird mit Sicherheit weltweit ein breites Publikum ansprechen, über Grenzen und Nationalitäten hinweg“. ‚Chippa‘ spielt in einer Nacht, in der ein Junge einen Übersetzer für den Brief seines spurlos verschwundenen Vaters sucht. „Das Leben hat gerade erst begonnen“. In diesen Worten des kleinen Chippa sieht die Jury „eine tolle Message“: Der Weg in die Zukunft sei immer noch voller Überraschungen, Abenteuern, zufälliger Begegnungen und Zuversicht.

‚Nooreh‘ Bester Kurzfilm

‚Nooreh‘ von Ashish Pandey, der Gewinnerfilm in der Kategorie Kurzfilm, ist in einem Dorf im Kampfgebiet an der indisch-pakistanischen Grenze angesiedelt. Der Tod gehört zum Alltag. Für die Jury ist der Film die Kampfansage eines Mädchens, das sich mit seiner kindlichen Handlung sowohl spielerisch als auch symbolisch gegen die Interessen der Erwachsenenwelt wehrt: „Das Mädchen Nooreh opfert seinen nächtlichen Schlaf und schafft somit Frieden im Dorf. Denn nur, wenn sie die Augen schließet, herrscht Krieg‘.

Den Kurzfilm ‚Counterfeit Kunkoo‘ von Reema Sangupta belohnte die Jury mit einer Lobenden Erwähnung.

‚About Love‘ gewinnt Preis für Besten Dokumentarfilm

Der German Star of India für den Besten Dokumentarfilm geht an ‚About Love‘ von Archana Phadke, der „ein persönliches Porträt einer Mittelschichtfamilie im urbanen Indien von heute zeichnet – und Mut macht, ehrlich, offen und unverkrampft miteinander umzugehen“, so die Jury.
Die Regisseurin gebe mit der filmischen Darstellung ihrer Familie einen sehr offenen und ehrlichen Einblick in Leben und Zusammenleben dreier Generationen in Mumbai. Die harmlos wirkenden Alltagsszenen seien durch wunderbare Bildmontage tiefsinnig miteinander verwoben. Ein Gefühl von Nähe werde durch die Kameraführung und die Liebe zum Detail geschaffen.
Regisseurin Sapna Moti Bhavanani bekam für ‚Sindhustan‘ eine Lobende Erwähnung.

‚The Last Color‘ von Vikas Khanna gewann Director’s Vision Award

Der Director’s Vision Award geht an den Spielfilm ‚The Last Color‘ von Vikas Khanna. Dieser mit 500 Euro dotierte Preis von Derrick Lincos Bombay Dance Club (Stuttgart) richtet sich an Regisseure, die in ihrem Filmbeitrag ambitioniert den Blick auf einen kulturellen oder sozialen Missstand richten. Vikas Khanna, ein international gefeierter Michelin-Sterne-Koch, präsentiert mit seinem Regie-Debüt „seinen vielversprechenden Einstieg in eine neue Welt – die Welt des Filmemachens“, so die Jury. Der Film sei inspiriert von Khannas erschütternden Begegnungen mit Witwen und Straßenkindern in der heiligen Stadt Varanasi im Norden Indiens. „Auch in seiner eigenen Kindheit wurde Vikas Khanna mit Hindernissen konfrontiert, musste Hürden überwinden. Durch Charakterstärke und Entschlossenheit schaffte er es, diese Schwierigkeiten hinter sich zu lassen und eine beeindruckende Karriere zu machen“, begründet die Jury ihre Entscheidung.

Der vom Münchner Bollywood-TV- Sender ‚Zee.One‘ gestiftete Audience Award, mit 1.000 Euro dotiert, wird vom Publikum aus allen auf dem Festival gezeigten Filmen gewählt.

Andreas Lapp, Honorarkonsul der Republik Indien für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, lobte die Festivalmacher – das Filmbüro Baden-Württemberg e. V. – für ihr Engagement, dem Publikum in Stuttgart einen realistischen Blick auf Indien zu bieten. Festivalleiter Oliver Mahn bilanzierte zufrieden, das 16. Indische Filmfestival sei ein sommerliches Kultur-Highlight in der baden-württembergischen Landeshauptstadt mit einer Stahlkraft bis nach Indien.

Das 17. Indische Filmfestival Stuttgart findet statt vom 15. bis 19. Juli 2020.

Foto: Indisches Filmfestival Stuttgart
Foto: Indisches Filmfestival Stuttgart

Auch Oscar Award Winner Marc Baschet und Produzentin Golda Sellam – Produzenten-Duo von ‚Lihaaf‘ – sowie ihre Hauptdarstellerin und Co-Autorin Sonal Sehgal nahmen an der Locationtour für die Filmgäste des 16. Indischen Filmfestivals Stuttgart teil. Neben einer kostümierten Führung durch das barocke Residenzschloss stand ein Besuch der Filmakademie Baden-Württemberg auf dem Programm. Der 20-köpfigen Gruppe gehörten außerdem an Sumi Mathai (Gewinnerin des Short-Take-Wettbewerbs in Indien, 1. Preis Besuch des Festivals), Archana Phadke (Regisseurin ‚About Love‘),

Marc Baschet, der 2002 für ‚No Man’s Land‘ mit dem Oscar für den besten ausländischen Film und dem französischen Filmpreis César ausgezeichnet worden ist, war von den Studios der Filmakademie Baden-Württemberg sichtlich beeindruckt.

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