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Auroville Matrimandir, Rainer Schoder
Auroville Matrimandir, Rainer Schoder

Roger Anger – Suche Nach Schönheit – Auroville

Seit 1956 kam der französische Architekt Roger Anger regelmäßig nach Pondicherry. Dort war das Ashram von Sri Aurobindo entstanden, der sich als indischer Unabhängigkeitskämpfer auf der Flucht vor den Engländern 1910 auf dem französischen Territorium in Sicherheit gebracht hatte.

Auroville Villa, Rainer Schoder
Auroville Villa, Rainer Schoder

Während er sich immer mehr von der Außenwelt zurückzog, übernahm seine Weggefährtin Mirra Alfassa, die 1920 nach Pondicherry gekommen war, die „weltliche Leitung“ des Ashrams. Später wurde Mirra Alfassa nur noch „die Mutter“ genannt.

Roger Anger kam durch seine Frau Françoise Morisset, einer Enkelin der Mutter, in Kontakt mit dem Ashram und der „Mutter“.

1965 kam dann die Einladung der „Mutter“ – Roger Anger stand zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt seiner Architekten-Karriere in Paris – die Position des Chefarchitekten für die Planung und Errichtung der Stadt „Auroville“, circa 12km von Pondicherry entfernt, zu übernehmen.

Er ließ sich nicht lange bitten diese einmalige Chance – dieses Projekt einer völlig neuen Stadtidee – zu nutzen.

Auroville sollte mit internationaler Beteiligung als humanistische Idealstadt („la réalisation de l’unité humaine“) realisiert werden, wobei die „Mutter“ dem Architekten folgende grundsätzliche Vorgaben machte:

Eine Stadt mit 50.000 Einwohnern, in der sich die zukünftigen Aktivitäten in 4 Zonen organisieren sollten:

  • Die Zone des Wohnens
  • Die Zone der Kultur
  • Die industrielle Zone
  • Die internationale Zone.

Letztere stellte das wichtigste und spezifische „Auroville-Element“ dar. Es sollte die besondere Bedeutung des Gedankens der menschlichen Einheit konkretisieren. Solch ein mehr oder weniger utopisches Projekt fiel gegen Ende der 60iger Jahre, einer Zeit weltweiter Aufstände der Jugend gegen das „Establishment“ und den Versuchen neue Lebensformen zu gestalten, auf fruchtbaren Boden.

Die Grundsteinlegung für die neue Stadt Auroville fand im Februar 1968 statt.

Mittlerweile scheint diese Aufbruchstimmung von der Realität eingeholt worden zu sein, die grauen Männer sind zurück, idealistische und utopische Projekte sind unrentabel und nicht mehr „modern“.

Auroville ist in der Anfangsphase stecken geblieben – nur der Matrimandir, einige Schul-, Kulturbauten und Wohnbauten wurden realisiert. Mit circa 2400 Einwohnern bleibt man weit hinter den geplanten 50.000 Einwohnern zurück.

Neben dem Matrimandir, dem Mittelpunkt und „Kraftzentrum“ der geplanten Stadt, stellen die Schulbauten, unweit des Hauptzuganges zum Auroville-Territorium, die wichtigsten – auf Grund ihrer neuen Formensprache – Bauten von Roger Anger dar.

Es wurden 4 Schulen errichtet, die sozusagen die steingewordene Repräsentation dieses Experimentierfeldes „schulische Erziehung“ darstellen.

Jeder Bau für sich ein Artefakt von erstaunlicher Gestaltungsvielfalt und Schönheit – ein Wort, das man sich im Zusammenhang mit „moderner“ Architektur kam noch zu benutzen traut.                                         

Mittlerweile liegen die Schulen (eine Art Campus, ohne Kontakt zur Welt der Erwachsenen), damals auf einem noch kahlen, fast totem Gelände mit rotem, von der Sonne verbranntem Boden, errichtet, in einem dschungelartigem Grün versteckt.

Dazu hat Roger Anger einige Wohnbauten, Villen – als weiße, geschwungene Formen auf erdbraunen gerundeten Sockeln – geschaffen.

Auroville Villa mit franz Text
Auroville Villa mit franz Text

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