Die Kampagne gegen Menschensafaris beim Jarawa-Volk hat einen wichtigen Sieg errungen. © Survival

Andamanen: Gericht erteilt Tourismusverbot für indigenes Schutzgebiet

Survival International, eine Organisation, die sich ausschließlich der Arbeit für die Rechte indigener und tribaler Völker weltweit widmet, hat mit ihrer Kampagne gegen die sogenannten „Menschensafaris“ auf der indischen Inselgruppe Andamanen endlich einen wichtigen Sieg errungen: Indiens Oberstes Gericht hat nun verboten, dass Touristen die Straße entlang fahren, die durch das Schutzgebiet des Volksstammes der Jarawa führt (wir berichteten bereits im Januar 2012 www.indienaktuell.de/magazin/verbotene-menschensafaris-auf-den-andamanen).

Seit vielen Jahren setzt sich Survival für die Schließung dieser Straße ein, denn trotz einer Anordnung des Obersten Gerichts Indiens aus dem Jahr 2002, in der die lokalen Behörden zur Schließung der Straße aufgefordert wurden, blieb sie weiterhin in Betrieb. Survival hatte 2010 erstmals darauf aufmerksam gemacht, dass Reiseveranstalter den Stamm der Jarawa, die dort Jahrhunderte lang sehr zurückgezogen lebten, wie Tiere im Zoo behandeln. Halbnackte Jarawa-Frauen wurden genötigt für Nahrung zu tanzen. Die entwürdigenden Aufnahmen hatten weltweit für Empörung gesorgt.

Im Juli 2012 ordnete Indiens Oberstes Gericht an, dass eine Pufferzone um das Gebiet der Jarawas eingerichtet werden sollte, um den Stamm vor Touristen, die mit der Kamera Jagd auf die „Wilden“ machten, zu schützen.  Auch zwei touristische Sehenswürdigkeiten – eine Kalksteinhöhle und ein Schlammvulkan –, die nur über die Route durch das Jarawa-Gebiet erreicht werden können, sollten geschlossen werden. Diese Anordnung wurde jedoch von den lokalen Behörden ignoriert. Von den Touristen, die zu den beiden Natursehenswürdigkeiten fuhren, gaben viele zu, dass die eigentliche Sensation die Jarawas am Straßenrand sind. Und für Reiseveranstalter als auch die lokalen Behörden ist diese Art von Tourismus einfach ein zu gutes Geschäft. 25.000 bis 30.000 Rupien (rund 385 bis 465 Euro) kostet der Ausflug; 10.000 bis 15.000 (etwa 155 bis 230 Euro) davon gehen an den Polizisten. Das ist sehr viel Geld – erst recht für einen Polizisten in Indien.

Survival warf nach der Entscheidung im Juli 2012 den Behörden der Andamanen vor, durch ihre „eindeutigen Verfehlungen“ das Gericht „schwerwiegend und anhaltend zu missachten“ und appellierte an den Obersten Gerichtshof, Maßnahmen zu ergreifen. Mitte Januar 2013 versuchten die Behörden der Andamanen mit der Ankündigung einer abgeschwächten Version der Pufferzone, die Entscheidung des Obersten Gerichtes vom Juli 2012 zu umgehen. Mit dieser neuen Pufferzone könnten die Kalksteinhöhlen und der Vulkan in Betrieb bleiben – somit könnten aber auch die Menschensafaris weiterhin stattfinden.

Survivals Direktor Stephen Corry sagte Ende Januar 2013 zum Verbot für Touristen, die Straße durch das Gebiet der Jarawas zu befahren: „Der neue vorläufige Gerichtsbeschluss ist ein positives Zeichen, wird aber bedeutungslos sein, wenn das Oberste Gericht den Behörden der Andamanen schon wieder erlaubt, seine Entscheidung zu ignorieren. Es ist entscheidend, dass die Anordnung aufrechterhalten wird und die Menschensafaris enden. Die Jarawa müssen selbst entscheiden können, ob, wann und wo Außenstehende ihr Land betreten.“

Weitere Informationen: www.survivalinternational.de

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