Das Ratha Yatra Festival in Puri, Odisha

In Puri im indischen Bundesstaat Odisha (früher: Orissa) wird das hinduistische Wagenfest Ratha Yatra, das zu Ehren des Gottes Jagannath, einer Reinkarnation von Krishna, veranstaltet. Die Mythen, die sich um das Fest ranken, sind nicht ganz einheitlich. In jedem Fall geht es aber im Grunde um die Erinnerung an den alljährlichen Besuch Jagannaths an seinem Geburtsort.

Ratha bedeutet Kutsche, Wagen oder Rad; Yatra heißt übersetzt Pilgerreise. Weltweit gibt es viele Ratha Yatras, sogar in New York oder London, auch in Köln.

Auf dem Höhepunkt des Festes ziehen Gläubige riesige Prozessionswagen mit dem Bildnis des Gottes Jagannath, dem Herrn des Universums, sowie seinen Geschwistern Balabhadra und Subhadra an Seilen durch die Stadt. Die drei unterschiedlich großen Wagen werden jedes Jahr nach überlieferten Regeln neu gebaut. Begleitet wird die Prozession von Musik, Tanz und Gebeten. Um die großen Wagen zu bewegen, werden insgesamt rund 1000 Menschen gebraucht. Der Wagen von Jagannath ist natürlich der größte. Er ist fast 14 Meter hoch und hat insgesamt 16 Räder. Die beiden anderen Wagen sind aber nur unwesentlich kleiner.

Ziel der Prozession ist der Gundicha Ghar Tempel, der auch „Gartenhaus“ genannt wird. Nach einer Reihe von Zeremonien werden die Götterstatuen dort wieder an ihren ursprünglichen Platz gestellt und mit goldenen Armen und Füßen sowie kostbarem Schmuck und Kronen geschmückt. Jagannaths Bildnis hat nämlich keine Arme und Beine. Die Legende sagt, dass der König, nachdem ihm Jagannath im Traum erschienen war, eine Holzschnitzer beauftragte, die Statue anzufertigen. Doch niemand sollte das Bildnis zu Gesicht bekommen, bevor es fertig war, denn dann würde es niemals fertiggestellt werden können. Nun wurde der König aber ungeduldig und warf vorzeitig einen Blick auf die Figur …

Das Ratha Yatra ist im Übrigen nicht nur ein religiöses Fest. Wegen der spektakulären Prozession der drei Wagen ist dieses Fest auch bei Touristen sehr beliebt. Man sollte sich jedoch im Gedränge den Wagen nicht zu sehr nähern, denn es kommt immer wieder zu Unfällen bei der Prozession.

Schreibe einen Kommentar

Scroll to Top