Kuh in Indien

Indien verbietet den Verkauf von Kühen als Schlachtvieh

Das indische Ministerium für Umwelt und Wälder hat am 26. Mai 2017 ein nationalweit geltendes Verbot des Verkaufs von Kühen als Schlachtvieh erlassen. Begründet wurde das Verbot mit dem Verweis auf den 1960 erlassenen „Prevention of Cruelty to Animals Act“, der Tieren unnötiges Leid ersparen soll. Der Schritt hat weitreichende Konsequenzen und wird in Indien durchaus kontrovers diskutiert.

Künftig dürfen jegliche Rinder sowie Kamele nur noch an Bauern verkauft werden, die Papiere vorlegen können, dass sie zum Kauf berechtigt sind. Diese Bauern müssen zuvor eine Deklaration beim Animal Market Committee unterschreiben, die besagt, dass sie die Tiere nicht zum Zwecke der Schlachtung weiterverkaufen werden.

In den letzten Monaten war es vermehrt zu gewalttätigen Übergriffen von Hindus auf Moslems gekommen. Den muslimischen Bauern wurde vorgeworfen, Kühe geschlachtet zu haben. Vereinzelt wurden angebliche Kuhschlächter regelrecht gelyncht. Eventuell hatte die hindunationalistische Regierung die Verhinderung solcher Verbrechen im Hinterkopf, als sie die Anordnung erließ. Dies ist aber lediglich eine Vermutung.

Rinderzucht und Umwelt

Es gibt durchaus Vorteile, wenn kein Rindfleisch mehr auf dem Speiseplan steht: Laut einer Studie aus den USA schützt der Verzicht auf Rindfleisch bzw. auf die Massentierhaltung von Rindern die Umwelt . Eine Kuh stößt pro Jahr durch ihre Verdauung Methan aus, das etwa drei Tonnen CO2 entspricht. Ein Mittelklassewagen mit einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 km belastet die Umwelt dagegen nur mit ca. zwei Tonnen CO2. Außerdem ist das Verhältnis von Einsatz von Futtermitteln zum Rindfleischertrag viel weniger effizient als bei Schweinen oder Hühnern. Ganz besonders auffällig ist dieses Missverhältnis jedoch in der Massentierhaltung in den Industrieländern. In Schwellenländern wie Indien richten Rinder weitaus weniger Umweltschäden an. Im Gegenteil: Da sie häufig als Zugtiere eingesetzt werden, sparen sie fossile Energien. Außerdem fressen die Kühe in Indien Pflanzenreste und Speiseabfälle und verwerten so Bioabfall.

Kritik an der neuen Regelung

Der Ärger über die neue Regelung ist verständlicherweise vor allem bei Fleischhändlern groß. Das mag jetzt verwundern, aber das Land mit den heiligen Kühen ist nach Brasilien der zweitgrößte Exporteur von Rindfleisch weltweit – ein Dorn im Auge des sonst so wirtschaftsfreundlichen Premierministers Narendra Modi. Modi ist strikter Vegetarier. Er bezeichnete dieses Rindfleischexportvolumen als eine grauenvolle „pink revolution“, die unbedingt beendet werden müsse.

Kritiker sind skeptisch, ob die Erweiterung des Prevention of Cruelty to Animals Acts den Tieren wirklich helfen wird. Wenn eine Kuh nicht mehr genug Milch gibt, aber weiterhin gefüttert werden muss, wird so mancher Bauer sich überlegen, ob er das Tier nicht in die (vermeintliche) Freiheit entlässt, wenn eine andere Verwertung der Kuh nicht möglich ist. Schon heute gibt es Indien schätzungsweise 5,2 Millionen Rinder, die herrenlos durch die Städte ziehen.

Konsequent weitergedacht kriminalisiere das Schlachtverbot bei Rindern außerdem jegliches Schlachten – auch das Schlachten von Schweinen, Schafen oder Geflügel.

Keralas Ministerpräsident Pinarayi Vijayan sprach sich noch aus einem anderen Grund gegen die neue Regelung aus. Er meinte, die Bürger sollten das Recht haben, selbst zu entscheiden, was sie essen. Betroffen seien vor allem Minderheiten wie Moslems und Dalits, bei denen Rindfleisch Teil der Ernährung ist. Er schlug daher vor, lieber die sich häufenden Angriffe auf Viehtransporte und die Übergriffe auf muslimische Bauern zu bekämpfen, statt das Schlachten von Rindern zu verbieten.

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