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Indien Magazin

Gesellschaft

Verbotene „Menschensafaris“ auf den Andamanen


Autos stehen Schlange, um in das Jarawa-Reservat entlang der Andaman Trunk Road zu fahren. © G Chamberlain/Survival International

18.01.2012

Die Autos stehen Schlange, um in das Jarawa-Reservat entlang der Andaman Trunk Road zu fahren. In den Fahrzeugen sitzen Touristen, scharf auf einen Schnappschuss von „echten Wilden“. „Menschensafaris“ nennt Survival International, eine Organisation, die sich ausschließlich für die Rechte indigener Völker einsetzt, diese Ausflüge in verbotenes Gebiet. Denn die Andaman Trunk Road darf eigentlich gar nicht befahren werden.

Vom indigenen Volk der Jarawa leben heute nur noch rund 200 vor allem im Westen der Inseln Middle Andaman Island und South Andaman Island. Sie sind Nomaden, leben als Jäger und Sammler in den Wäldern. Bis 1998 konnten sie jeden Kontakt zur Außenwelt vermeiden. Nach vermehrten Kontakten mit der Mehrheitsbevölkerung der Andamanen – ausgelöst unter anderem durch den Bau einer Transitstrecke durch Jarawa-Gebiet – kamen die Jarawas auch mit Krankheiten in Berührung, gegen die ihr Immunsystem nicht gewappnet ist. Eine „Assimilation“ dieses Volkes, wie es einige Politiker vorschlagen, könnte zur Ausrottung des Stammes führen.

Bereits 2002 hat das Oberste Gericht Indiens die Schließung der Andaman Trunk Road angeordnet. Pläne für eine alternative Route um das Jarawa-Gebiet wurden vorgestellt. Doch Reiseveranstalter haben weiterhin Touren zu den Jarawas im Programm. Bereits 2010 hat Survival International die lokalen Behörden auf das Problem aufmerksam gemacht. Survival Direktor Stephen Corry sagte dazu: „Es ist außergewöhnlich, dass die lokale Regierung erst jetzt das Ausmaß der ‚Menschensafaris’ zu begreifen scheint. [...] Wenn es ihnen ernst damit ist das Problem endlich anzugehen, müssen sie die Andaman Trunk Road schließen, wie es der Oberste Gerichtshof schon vor 10 Jahren forderte. Das ist die einzige wirkliche Lösung.“

Die lokalen Behörden verteidigen sich. Sie behaupten, alles für den Schutz der Jarawas zu tun – nur eben nicht die Sperrung der Transitstraße. Und die Polizisten, die für den Schutz der Indigenen zuständig sind, sind bestechlich. Survival liegen Audioaufnahmen vor, aus denen klar hervorgeht, dass Geld alle Hindernisse für die Fahrt ins Jarawa-Reservat aus dem Weg räumt. 25.000 bis 30.000 Rupien (rund 385 bis 465 Euro) kostet der Ausflug; 10.000 bis 15.000 (etwa 155 bis 230 Euro) davon gehen an den Polizisten. Das Geschäft lohnt sich, denn das ist sehr viel Geld – nicht nur für einen indischen Polizisten.

Die Touristen, die – wie man sieht – keine Kosten für eine Begegung mit den Indigenen scheuen, scheinen nicht zu begreifen, was sie mit ihrer Jagd nach spektakulären Fotos oder Videos anrichten. Wie gering das Bewusstsein für dieses menschenunwürdige Spektakel ist, beweist folgendes Zitat: „Die Reise durch das Gebiet der Indigenen war wie eine Safari. Wir sind durch dichten Regenwald gefahren und haben wilde Tiere gesucht, die Jarawa um genau zu sein,“ beschrieb ein Tourist eine der Touren. Dabei klärt die Partnerorganisation von Survival, die Organisation SEARCH, Touristen vor Ort mit Flugblättern auf.

Wenn nicht bald wirksame Maßnahmen zum Schutz der Jarawas getroffen werden, hat die Welt eventuell bald wieder den Verlust eines indigenen Volkes zu beklagen. Survival appelliert an alle Touristen, die die Andamanen besuchen, sich nicht an den menschenunwürdigen „Safaris“ zu beteiligen.

Weitere Informationen: www.survivalinternational.de