
Am 3. Oktober 2010 wird die Eröffnungsfeier der XIX. Commonwealth Games in New Delhi im Jawaharlal Nehru Stadion stattfinden. Bis zum 14. Oktober 2010 werden Athleten aus 71 Ländern, hauptsächlich aus den Commonwealth-Mitgliedsstaaten, in Indien um Medaillen kämpfen. Die Commonwealth Spiele sind damit das größte Sportevent, das jemals in Indien ausgerichtet wurde.
Große Hoffnungen werden in Indien mit diesem Sportgroßereignis verbunden. Die Spiele schaffen viele Arbeitsplätze, die Infrastruktur Delhis wurde verbessert und die renovierten und neu errichteten Sportstätten stehen auch nach den Spielen einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Ein nachhaltiges, grünes Sportevent soll es werden, mit tadellosen Service-Standards für Athleten, Funktionäre und Zuschauer. Schon macht sich Indien auch Hoffnung darauf, die Olympischen Spiele in naher Zukunft beherbergen zu dürfen.
Unkenrufe im Vorfeld
Dabei stand die gesamte Veranstaltung jüngst auf der Kippe. Der Zustand der Sportstätten und vor allem des Sportlerdorfes wurde heftig kritisiert. Eine gerade erst neu errichtete Fußgängerbrücke und Teile einer Zwischendecke des Jawaharlal Nehru Stadions brachen ein. Warnungen vor einem erhöhten Dengue-Fieber-Risiko wegen der vielen Mücken aufgrund der starken Regenfälle in der letzten Zeit sowie die Angst vor Terroranschlägen veranlassten schließlich Nationen wie Australien, England oder Neuseeland zu erwägen, die Teilnahme an den Commonwealth Games in Delhi abzusagen.
„Es werden gute Spiele“
Inzwischen haben sich die Wogen geglättet. Die Organisatoren der Spiele haben alle Anstrengungen unternommen die Mängel zu beseitigen und alle angemeldeten Nationen haben ihre Teilnahme bestätigt. Mike Fennell, der Präsident der Commonwealth Games Federation (CGF), bestätigte, dass die Ursachen der harschen Kritik, die knapp 14 Tage vor dem Ereignis laut wurde, inzwischen weitgehend beseitigt seien. Eine Delegation des kanadischen Teams, die sich von den Zuständen vor Ort überzeugen wollte, zeigte sich ebenfalls zufrieden mit den gemachten Fortschritten. Zwar räumte auch Fennell ein, dass es Versäumnisse gegeben habe, und sieht die Schuld daran bei allen an den Vorbereitungen Beteiligten, der Stadt, dem Organisationskomitee und ein wenig auch der CGF. Dennoch glaubt er voll Zuversicht an gute Spiele. Suresh Kalmadi, der Vorsitzende des indischen Organisationskomitees, übernahm reuevoll die Verantwortung für die schleppende Vorbereitung, beklagte jedoch auch, dass die Stadt fast die Hälfte der Gebäude nicht rechtzeitig an das Organisationskomitee übergeben habe und dass daraus die Probleme mit dem Sportlerdorf erst entstanden seien.
Auch IOC-Präsident Jacques Rogge glaubt weiterhin an erfolgreiche Commonwealth Games. So wie die Griechen die Weltuntergangsszenarien vor den Olympischen Spielen 2004 in Athen erfolgreich überstanden hatten und auch Südafrika trotz aller Unkenrufe eine schöne Fußballweltmeisterschaft veranstaltete, so sollte man auch Indien eine Chance geben zu beweisen, dass sie ein Sportgroßereignis auf Weltniveau durchführen können.
Letztendlich sagten lediglich einzelne Sportler wie der australische Radrennfahrer Travis Meyer und seine Landsfrau, Tennisspielerin Stephanie Sangon Sunday, oder der britische Turmspringer und Olympiasieger von Athen, Peter Waterfield, ihre Teilnahme aus Sicherheitsbedenken und Angst um ihre Gesundheit ab. Auch einige andere Spitzensportler aus England, Neuseeland und Kanada verzichten vorsichtshalber auf die Beteiligung an den Spielen. Tour de France-Star Mark Cavendish hingegen sagte, dass ihn lediglich eine Verletzung an der Teilnahme dieses Sportereignisses hindern könnte. Im Großen und Ganzen werden die Commonwealth Games durch diese Absagen einzelner Sportler keinen spürbaren Schaden nehmen. Erwarten werden 71 Teams mit rund 7.000 Sportlern und Offiziellen.
Geschichte der Commonwealth Games
Die ersten Commonwealth Games fanden 1930 in Hamilton in Kanada statt. Lediglich elf Nationen und insgesamt rund 400 Athleten nahmen damals an den Spielen teil. Mit Ausnahme der Jahre 1942 und 1946 wurden die Commonwealth Games in Folge alle vier Jahre veranstaltet. Der Name der Spiele wurde einige Male geändert, von British Empire Games über British Empire und British Commonwealth Games, bis sie seit 1978 schließlich schlicht Commonwealth Games genannt wurden. Der Gründungsgedanke beinhaltet ein gemeinsames Charakteristikum: Alle teilnehmenden Nationen sollen eine gemeinsame Sprache sprechen, nämlich English.
Bei den letzten Commonwealth Games, die 2006 im australischen Melbourne stattfanden, lag Indien in der Nationenwertung auf Platz vier hinter Australien, England und Kanada. Besonders erfolgreich waren Indiens Sportschützen. Samresh Jung gewann fünf Goldmedaillen, Gagan Narang erhielt vier Goldmedaillen und erzielte 598 von 600 Punkten. Damit zählt er zu den besten Sportschützen der Welt. 2002 landete Indien sogar auf dem dritten Rang in der Nationenwertung.
Sportevents bei den Spielen
Bei den Commonwealth Games 2010 in New Delhi werden vom 04. bis 14. Oktober 2010 spannende Wettkämpfe mit vielen Spitzenathleten erwartet. Das Sportprogramm ähnelt in großen Teilen dem der Olympischen Sommerspiele mit Schwimmen, Leichtathletik, Basketball, Tennis, Gewichtheben, Ringen, Badminton, Bogenschießen, Boxen, Radsport, Turnen, Hockey, Tischtennis und Schießen. Hinzu kommen 7er Rugby (Rugby Sevens), eine Rugby-Variante, die auch ins Programm der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro aufgenommen werden wird, und Lawn Ball, ein britisches Kugelspiel, das so ähnlich wie Boccia oder Boule funktioniert. Indien und die Welt dürfen sich auf zehn ereignisreiche Tage des Sports freuen.