
Indien zählt (noch) nicht zu den Fußball-Großmächten dieser Welt und überhaupt hängt der Hamburger, der in die weite Welt hinausgezogen ist, sein Herz lieber an einen Verein aus der Hansestadt. In Indien hat aber nicht der große HSV, sondern der sehr spezielle St. Pauli einen offiziellen Fanclub.
raj pauli heißt der Zusammenschluss von Gleichgesinnten im fußballfernen Neu Delhi, die sich 2007 bei einem 3:1 Sieg gegen Kickers Offenbach zusammengefunden hatten. Raj oder Raja, das heißt in Indien König, und alle Mitglieder betiteln sich mit Raja und nennen sich dann beim Vornamen. Zum Beispiel Raja Jens, der aus Indien zurückgekommen ist und wieder in Hamburg lebt. Clubchef Ulf Bankemper darf sich sogar Maharaja, d. h. Großer König, nennen. Der wahre König ist natürlich König Fußball, und den können sich die Rajas leider nur spät abends – weil Indien immer viereinhalb Stunden in der Zeit voraus ist – und aus dem Internetradio (St. Pauli/ AFM) anhören. Bei Sonntagabendspielen von St. Pauli kann das am Montagmorgen schon mal schwierig werden. Einen echten Raja von Raj Pauli kann das aber nicht erschüttern. Wer ein Mitglied werden will, muss entweder aus Hamburg kommen, was Maharaja Ulf am Dialekt erkennen kann, oder durch Fachwissen nachweisen, dass er ein echter Paulifan ist. Geistigen Beistand gibt es durch Raja Joachim, der im wahren Leben Pastor ist und bei AC/DCs Hell‘s Bells seinen inneren Widerstand immer wieder neu überwinden muss. Überall wiedererkennbar ist auch das Fanclub-Emblem, die Totenkopfflagge mit dem roten Turban. Darüber, ob der Totenkopf auch noch den typisch indischen Schnauzbart bekommen sollte, wurde allerdings clubintern lange gestritten. Der Raj Pauli Fanclub ist offen für neue Mitglieder, da die indischen Paulifans oft auch nicht allzu lange in Neu Delhi bleiben, so dass es ortsferne Rajas inzwischen auch in Deutschland, Mazedonien und im Kosovo gibt. sa
INDIEN AKTUELL MAGAZIN