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Indien Magazin

Sport

Kommentar: Eurozentristische Kritik an indischen Commonwealth Spielen


Sven Andressen (Chefredakteur Indien Aktuell Business)

24.09.2010

Medienschelte: Berichterstatter weltweit zelebrieren genüsslich die Kritik an der Organisation und der Pannenserie bei den Commonwealth Games 2010 in Indien.

Nichts ist schöner, als seine Vorurteile bestätigt zu sehen. Das gilt für Medienmenschen und ihre Leser gleichermaßen. Solches geschieht derzeit in der weltweiten Medienresonanz im Vorfeld der Commonwealth Spiele, die im Oktober in Indien stattfinden sollen. Fehler bei der Planung und Ausführung der Bauarbeiten rund um die Sportstätten, Unfälle, Kinderarbeit, unzumutbare Zustände bei der Athletenunterbringung, Sicherheitsprobleme und mit der Denguefieber-Epidemie nun auch noch Seuchen. Ein ganzer Katalog des Versagens wird den indischen Ausrichtern vorgeworfen. Es ist wie in „alten Zeiten“, als aus Indien nur schlechte Nachrichten von Krankheit, Hunger, Elend und Katastrophen zu kommen hatten. Vor allem den westlichen Medien waren die vielen Erfolgsmeldungen der letzten Jahre über Indien als aufstrebende Wirtschaftsmacht und größte Demokratie mit Anspruch auf einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat suspekt geworden. Mit den Commonwealth Spielen darf man nun endlich wieder vom „alten“ Indien berichten, das doch noch nicht mit den westlichen Industrienationen mithalten kann.

Dieses Phänomen sagt mehr über uns westliche Berichterstatter aus, die glauben, dass die Leser in Europa, USA, Australien und anderswo in der entwickelten Welt genau diese Negativschlagzeilen lesen wollen und darin ihre Bestätigung suchen, als über die Commonwealth Games in Indien. Unterbewusst fühlt sich der Homo Occidentalis von jedem Erfolg in aufstrebenden Staaten wie China, Südkorea, Brasilien, Südafrika, Russland und eben auch Indien bedroht – Länder, auf die er gerne heimlich herabgeblickt hat.

Die gleiche Art der Berichterstattung gab es zuvor über die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika und die Olympischen Spiele in China. Wir entwickelte Westler suchen nach der Bestätigung: Die Chinesen, die Afrikaner, die Inder – die können das noch nicht.

Die Chinesen und Südafrikaner haben uns schon das Gegenteil bewiesen und die Inder werden es auch tun. Die Commonwealth Spiele sind für Indien eine große Herausforderung und bedeuten für das Schwellenland Indien eine immense Kraftanstrengung. Der Ausrichtungsort Delhi hat durch die Spiele einen städtebaulichen Schub erfahren, der die Hauptstadt Indiens bereits weit vorangebracht hat. Fehler und Probleme sind dabei unvermeidlich. Dass alle Fehler schon in der Vorbereitung öffentlich geworden sind, ist auch ein Verdienst der freien Presse in Indien. Die Inder werden sicherlich keine computeranimierten Bilder der Eröffnungsfeier in die Welt senden, wie jene, mit denen das chinesische staatliche Fernsehen die Weltöffentlichkeit narren wollte.

Es wäre schade, wenn zu viele Commonwealth-Nationen ihre Mannschaften zurückziehen würden oder die Spiele gar abgesagt werden müssten. Indien sollte eine faire Chance bekommen, die Commonwealth Spiele auszurichten. Vielleicht werden es nicht die bestorganisierten Commonwealth Games aller Zeiten werden, aber es werden sicherlich ganz besondere Spiele sein, mit der Indien die Welt im positiven Sinne überraschen dürfte.

Sven Andreßen

(Chefredakteur Indien Akuell Business)

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