
Man muss nicht weit reisen, um herauszufinden, dass Sitten und Gebräuche regional doch recht unterschiedlich sein können. Das merkt schon der Frankfurter in München oder der Berliner in Köln. Begegnungen mit gänzlich anderen Kulturen sind ein noch spannenderes Abenteuer. Wer als Reisender in der Fremde nicht unangenehm auffallen will, dem kann der Conbook-Verlag mit seinen Fettnäpfchenführern im handlichen Mitnehmformat weiterhelfen. Die Führer sind unterhaltsam geschrieben, wie ein Roman, und lehrreich wie ein Sachbuch und helfen auf Reisen beim souveränen Umsteuern zwischenmenschlicher Fallgruben.
Im Frühjahr 2012 erscheint nun endlich auch ein Fettnäpfchenführer Indien. Die Autorin Karin Kaiser hilft dann beim Umschiffen der Untiefen der indischen Kultur zwischen Mantras und Mumbai, Curry und Chaos, Bollywood und Buddha. Bis der Band erscheint, beschreibt Karin Kaiser – quasi zur Einstimmung – ihre Erlebnisse auf dem Subkontinent in ihrem Indien-Blog. Lesen Sie hier, wie die Reise begann:
Up, up and away
»Bruxelles Airlines dankt, dass Sie mit uns geflogen sind. Wir würden uns freuen, Sie bald wieder an Bord tiefkühlen zu dürfen.«
Zähneklappernd stelle ich fest: Der Weg nach Indien führt durch die Arktis. Jet Airlines übernimmt nahtlos unsere Schockfrostung und trotz meiner Bitten arbeitet die Klimaanlage entsprechend dem subtropischen Ziel weiter auf Hochtouren. ?
10.000 Fuß hoch über Bombay reagiert schließlich mein körpereigener Thermostat und regelt mein System hoch, sodass ich bei der Ankunft die 28 Grad Unterschied zu Berlin spielend überwinde. Fieberglühend lasse ich mich zum Willkommen in Chennai (Madras) von der dieselabgaserfüllten, jasminduftenden Nacht umfangen. Sind das etwa Freudentränen, die mich an der Nase kitzeln?
Im Ambassadortaxi gewiegt, unterwegs nach Vasanta Vihar (Studienzentrum der Krishnamurti Stiftung in Adyar/Chennai) presse ich die Hände fest gegen den plastikbezogenen Sitz. Bin ich wirklich angekommen? Wirklich da? Die Stirn ans halb geöffnete Fenster gelehnt, lausche ich dem Fahrer und dem Freund, den rollenden, singenden tamilischen Lauten.?Draußen ziehen mit blinkenden Lichtern geschmückte Palmen vorbei, Häuserzeilen in unklarem Zustand – Abriss oder Aufbau? – ducken sich unter Funzeln. Zwischen rollbahnartigen Positionslichtern lagern Gruppen von Kühen am Straßenrand. Trucks, heulende Dämonen, donnern frontal auf uns zu.
Glücklich schließe ich die Augen: Ja, ich bin wirklich wieder in Indien.
Autor: Karin Kaiser
Weitere Informationen:
http://www.conbook-verlag.de/fettnaepfchenfuehrer.html
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