
Filmszene aus "Udaan", Bild: Filmbüro Baden-Württemberg![]()
STUTTGART – Das Drama ‚Udaan’ von Vikramaditya Motwane ist am Sonntag zum Abschluss des 8. Indischen Filmfestivals ‚Bollywood and beyond’ in Stuttgart mit dem German Star of India in der Kategorie Spielfilm ausgezeichnet worden. Der ‘German Star of India’ in der Kategorie Kurzfilm geht an ‘Tubelight ka Chaand’ von Shlok Sharman. ‘It’s Cricket, no?’ wurde mit dem ‘German Star of India’ in der Kategorie Dokumentarfilm ausgezeichnet. Wieder mehr als 10 000 Besucher erlebten an den fünf Festivaltagen eine cineastische Reise durch das aktuelle indische Kino. Insgesamt 40 neue Produktionen standen auf dem Programm von Europas größtem indischen Filmfest. Den Themenschwerpunkt widmete das Filmbüro Baden-Württemberg engagierten Filmen über ‚starke Frauen in Indien’.
Der große Gewinner des Festivals heißt ‚Udaan’. Der mit 4000 Euro dotierte ‚German Star of India’, der vom Hauptsponsor des Festivals, Honorarkonsul Andreas Lapp, gestiftet wird, ehrt einen Film über eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung. ‚Udaan’ bedeutet der Fantasie freien Lauf zu lassen. Die Fantasie schweifen zu lassen, motiviert den Sohn, einen aufstrebenden Dichter, und erzürnt seinen verwitweten Vater, einen Ingenieur, der den Sohn lieber in seine Fußstapfen treten sähe. Der Film zeigt einen industriellen Teil Indiens, der äußerst selten im indischen Kino gezeigt wird und findet nach Auffassung der Juroren gleichzeitig einen globalen Erzählstil. ‚Das Erstlingswerk des Regisseurs besticht durch Selbstvertrauen und Feinsinnigkeit auf die auch erfahrenere Regisseure zu Recht stolz wären, ’freut sich die Jury über ihr einstimmiges Urteil.
Um die Utopie eines kleinen Jungen geht es in ‚Tubelight ka Chaand’ von Shlok Sharma, der den mit 1000 Euro dotierten German Star of India in der Kategorie Bester Kurzfilm gewann.
In märchenhafter Form erzählt dieses bewegende Plädoyer für die Kraft der Träume von einem einsamen Straßenjungen in Kolkata, der sich in den Mond verliebt und versucht ihn zu erreichen. ‚Durch das Spiel der Kamera mit Licht und Dunkelheit, schnelle Schnitte und eine quasi dokumentarische Vertonung werden Alltag und Traumwelt des Jungen kontrastiert’, lobt die Jury.
‚It’s Cricket, no?’ erhielt den mit 1000 Euro dotierten German Star of India in der Kategorie Bester Dokumentarfilm. Sudhir Aggarwals Dokumentation begleitet die indische Nationalmannschaft im Blindenkricket. Ohne jegliche staatliche oder gesellschaftliche Unterstützung macht sich das Team auf den Weg nach Großbritannien, um ihre englischen Gegner zu schlagen. ‚Der Enthusiasmus und die positive Einstellung der Mannschaft nehmen den Zuschauer mit in eine Welt, in der Kricket mehr als nur eine Sportart ist. Hier steht Kricket für Leidenschaft und Liebe’, hoben die Juroren hervor. Kunstvoll zeige Aggarwal, wie sich Blindenkricket von gewöhnlichem Kricket unterscheidet. Das schöne Zusammenspiel von Musik und Bildern beschreibe den Sport auf unterhaltsame und bewegende Art. Aggarwals ästhetische Erzählweise, sein Respekt für die Sportler und seine Liebe zum Kricket, machten den Film poetisch. Ihre Hingabe, kombiniert mit Stolz und spitzbübischem Humor erweckten Hoffnung, Vertrauen und Motivation - niemals Mitleid.
Der ‚Director’s Vision Award’ für Regisseure, die sich mit einem ambitionierten Blick auf einen sozialen, gesellschaftlichen oder kulturellen Missstand richten, geht an ‚Arranged Happiness’ von Daniela Dar-Creutz für seine Darstellung einer traditionellen arrangierten Ehe in Indien. Der Film zeigt nach Auffassung der Jury wie sich alle Familienmitglieder gemeinsam bemühen, den besten Bräutigam in einer von Regeln beschränkten Gesellschaft zu finden und zeigt so die persönliche, menschliche Seite des Brauches. ‚Die Wirkung des Films wird durch die persönliche Eingebundenheit und emotionale Nähe der Regisseurin noch zusätzlich gesteigert’, begründen die Juroren.
‚Bollywood and beyond’ in Stuttgart hat sich zur festen Adresse für die indische Filmindustrie entwickelt. Das Filmevent in der baden-württembergischen Landeshauptstadt brachte Filme wie sie niemand aus Indien erwartet hätte, Arthaus-Filme aus allen Regionen des Subkontinents, und am Rande auch drei klassische Bollywood-Streifen. ‚Das märchenhafte und das reale Indien verzauberten und beeindruckten das Publikum,’ zieht Festivalleiter Oliver Mahn Bilanz. Programmgestalterin Elisa Melzer hat gemeinsam mit den beiden Kuratorinnen Uma da Cunha aus Mumbai und Therese Hayes aus Los Angeles aus 150 eingesandten Beiträgen etwa 40 Filme für ein hochkarätiges Festivalprogramm ausgewählt. Die jeweils dreiköpfigen Jurys in den Kategorien Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilm hatten keine leichte Wahl. Prominente Juroren waren übrigens Bond-Regisseur Roger Spottiswoode und Bollywood-Produzent Sunil Doshi.
Zum kulturellen Brückenschlag zwischen Stuttgart und Mumbai gehörten die traditionellen ‚Tea Talks’, die sich auch mit Stadtentwicklung, der Vielsprachigkeit in Indien sowie dem Verhältnis von Bollywood und Europa beschäftigten.
Im ‚Expertenforum: Umwelt und erneuerbare Energien’ kündigte Umweltminister Franz Untersteller an, dass Baden-Württemberg erstmals die Schulung von Solarstipendiaten des Zentrums für erneuerbare Energien ‚Mithradam‘ im indischen Bundesstaat Kerala unterstützen will. Das vom Stuttgarter Verein zur Förderung entwicklungswichtiger Vorhaben (VeV) initiierte Demonstrations- und Bildungszentrum Mithradham in Südindien, das seit nunmehr zehn Jahren die Schlüsseltechnologie Photovoltaik in Indien propagiert, lobte der Minister als ein vorbildliches Konzept und bescheinigte der Ersten VeV-Vorsitzenden Rosenmarie Zaiser Pionierarbeit. Der Stuttgarter Unternehmer Andreas Lapp gehört ebenso zu den Unterstützern des Centers nahe Kerala wie Würth-Solar.
Das Filmbüro Baden-Württemberg griff das Thema Energie und Umwelt auch in einem 'Tea Talk' zum Thema 'Klimaschutz macht Schule' auf. Schüler und Lehrer des Friedrich-Schiller-Gymnasiums in Marbach berichteten über ihre indische Schulpartnerschaft und regelmäßige Global Village Action Weeks in Mithraham. Ein Schülertag mit dem ausgezeichneten Film ‚Udaan’ auf dem Stundenplan erweiterten in diesem Jahr das Rahmenprogramm. Zahlreiche Stuttgarter nutzten den kostenlosen Shuttlebus vom Schlossplatz zum SI-Centrum, um auf dem Festivalgelände kulinarische Köstlichkeiten und farbenprächtige Tanzdarbietungen zu erleben. Workshops brachten den Teilnehmern die Tanzschritte der großen Bollywood-Stars bei oder verrieten Tricks der Henna-Bemalung.
Hauptsponsor Andreas Lapp lud während des Festivals zum German-Indian Round Tabel, einem Gesprächsforum für Handel, Industrie und Mittelstand. Über Chancen und Herausforderungen für mittelständische Unternehmen in Indien informierte das Indo-German Businessforum, das die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Kooperation mit CMS Hasche Sigle organisierte.
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