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Tourismus
Tempel, Tiger, Elefanten – auf Nationalparksafari durch Indien
Foto: Ralph Sommer

Foto: Ralph Sommer

Wer Indiens Wildreservate besucht, möchte natürlich auch Tiger sehen. Bei nur etwas mehr als 1.000 freilebenden Tigern (neueste Zählungen haben ergeben, dass es noch 1.700 Tiger sind. Anm. d. Red.) in ganz Indien, werden oft Zweifel laut, ob man als Tourist so viel Glück überhaupt haben kann. Doch mithilfe eines guten Führers stehen die Chancen gar nicht schlecht. Reiseveranstalter Ralph Sommer testete Nationalparks und Reiseziele in Indien auf ihre Tauglichkeit.

Im Dezember 2010 besuchte ich die vier tigerreichsten Nationalparks in Indien – Bandhavgarh, Kanha, Kazirangha und Ranthambore – und bei der Gelegenheit auch gleich die vielen Sehenswürdigkeiten, die auf dieser Route liegen. Nicht nur die Hauptstadt Delhi fasziniert mit unzähligen Baudenkmälern, Tempelanlagen und den engen, belebten Gassen seiner Altstadt. Auf dem Weg zum Nationalpark Bandhavgarh liegt Khajuraho, das für seine prächtigen Tempel aus der Hochzeit der nordindischen Tempelkunst und die wunderschönen Skulpturen mit den vielen erotischen Szenen der Hindu-Mythologie berühmt ist.

Nationalpark Bandhavgarh

Schon die rund sechsstündige Fahrt von Khajuraho zum Nationalpark Bandhavgarh ist spektakulär. Der Nationalpark selbst gehört zu den tigerreichsten in Madhya Pradesh. Sal- Wäldern, Bambusgestrüpp und Grasland wechseln sich ab. Auf einem hohen Felsplateau thront ein altes Fort. Gleich bei der ersten morgendlichen Jeep-Safari hatte ich das Glück zwei Königstiger beobachten zu können. Vom Anblick der edlen Raubkatzen fasziniert, vergaß ich vollkommen Aufnahmen zu machen. Doch Bandhavgarh hat mehr zu bieten als nur Tiger. In den Wäldern, Grassteppen und rund um die Seen des Parks kann man Axishirsche, Wildschweine, Rhesusaffen, Hanuman-Languren, Nilgaiantilopen und viele Vogelarten wie die Perlhalstaube, den Pfl aumenkopfsittich, den Hornvogel, den Mango- oder den Dschungelkauz beobachten.

Nationalpark Kanha

Nicht weit entfernt liegt der Nationalpark Kanha im Dekkan- Hochland auf 450 m bis 900 m Höhe. Bei einer morgendlichen Safari sah ich aus nur 10 m Entfernung einen Tiger aus dem Dickicht auftauchen. Als ich meinen Fotoapparat mehrmals auslöste, hielt der Tiger inne und beobachtete mich eindringlich, bevor er langsam weiter über die Lichtung pirschte und im Unterholz verschwand. Eine beeindruckende Begegnung, die man sicher nicht so schnell vergisst! An Büschen und Bäumen hinterließ er vor seinem Rückzug ins Dickicht noch Duftmarken. Der Kanha Nationalpark ist mit halbfeuchten und trockenen Laubwäldern, Bambus und Grasland bedeckt. Auf den Jeep-Safaris hatte ich mehrmals Gelegenheit, Barasinghas (Zackenhirsche), Gaurs (das größte Wildrind der Welt) sowie den Sambarhirsch zu beobachten. Auch interessante Vogelarten wie Pfau, Tropfenfrankolin, Wespenbussard, Heckenkuckuck und Russbülbül waren zu sehen.

Wer mehrere Nationalparks auf einer einzigen Reise besuchen möchten, dem kann ich die reizvollen Überlandfahrten von einem Park zum anderen sehr empfehlen – auch wenn die Qualität der Straßen oft sehr zu wünschen übrig lässt. Manchmal muss so langsam gefahren werden, dass man Gelegenheit zu kurzen Spaziergängen hat. Dabei kann man hervorragend Kontakte zur Landbevölkerung knüpfen, die sich durch eine herzliche Gastfreundschaft auszeichnet.

Als Kontrastprogramm zum gemächlichen Landleben empfi ehlt sich ein Besuch der quirligen Mega-Stadt Kolkata mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten. Im Programm nicht fehlen sollte eine Bootsfahrt auf dem Ganges, ein Besuch des Botanischen Gartens, des Kali-Tempels und der Ramakrishna- Mission.

Nationalpark Kaziranga

Der Kaziranga Nationalpark in Assam steht seit 1985 auf der UNESCO-Weltnaturerbe-Liste. Die Hochgrasfl ure, Waldungen und Sumpfgebiete erkundet man am besten auf dem Rücken eines Elefanten. Am Morgen konnte ich in der gerade erwachenden Natur Panzernashörner, Wasserbüffel und Hirsche aus nächster Nähe fotografi eren. Der Park beherbergt zwei Drittel der weltweiten Panzernashornpopulation. Außerdem ist der Kaziranga Heimat von Elefanten, Wasserbüffeln, Sumpfhirschen, Barasinghas, Gaurs, Schweinehirschen und einer artenreichen Vogelwelt. Auch etwa 100 Tiger sollen hier leben. Einen dieser königlichen Tiere hier zu Gesicht zu bekommen ist jedoch wegen des hohen Elefantengrases sehr schwierig.

Kulturell eindrucksvoll sind die entlegenen Dörfer in Assam mit ihren alten Stammeskulturen sowie die rituellen Tanzvorführungen auf der Insel Majuli.

Nationalpark Ranthambore

Der Ranthambore ist der bekannteste Nationalpark im Norden Indiens. Von Delhi und Jaipur aus ist er gut auf einer mehrstündigen Autofahrt oder per Zug zu erreichen. Bei einer Canter-Pirschfahrt (LKW-Pickupfahrzeug für 16 Personen) erkundete ich am frühen Morgen gemeinsam mit 15 weiteren internationalen Teilnehmern den Park. 16 Personen in einem Fahrzeug sind jedoch entschieden zu viele, so dass ich die „Canterfahrt“ nur bedingt empfehlen kann. Deshalb mietete ich mir für den Nachmittag einen Privatjeep (4-Sitzer). Diese Safari bot mir nochmals die Gelegenheit, einen Tiger von weitem zu beobachten. Ranthambore ist bekannt für eine große Tigerpopulation. In der hügeligen Landschaft, durchsetzt mit einigen steilen Felswänden, sind Ruinen versteckt, die sich die Wildnis inzwischen zurückerobert hat. Der Park ist wasserreich mit kleinen Flüssen, Teichen und Tümpeln. Dort sieht man Sumpfkrokodile, Schildkröten, Hirsche, Wildschweine, Nilgai-Antilopen, Pfauen, Schwarzstörche, Fischadler und Geier.

Das wenige Stunden entfernte Jaipur mit dem Palast der Winde, dem astronomischen Observatorium und dem Fort Amber, zu dem man auf dem Rücken von Elefanten hinauf reiten kann, gehört zu den Höhepunkten einer jeden Kulturreise durch den Norden Indiens. Wer dort etwas ganz Besonderes erleben will, sollte die Unterbringung bei einer Haveli-Familie wählen.

In Indien lassen sich hervorragend Natur- mit Kulturreisen verbinden. Besucher kommen bei den Überlandfahrten von einem Nationalpark zum anderen durch teilweise touristisch unerschlossene Gebiete. Viele Begegnungen mit Einheimischen, kurze Wanderungen durch idyllische Dörfer und landschaftlich schöne Gegenden sind zusätzliche Anreize für eine Tour durch die nordindischen Nationalparks. Wer Indien abseits der ausgetretenen Touristenpfade erleben möchte, mit einem Hauch von Abenteuer und mit viel Gelassenheit, dem kann ich eine solche Reise wärmstens empfehlen.

RALPH SOMMER, SOMMER FERNREISEN
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