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Kultur
Hamburg 18.10.11 20:15 Oliver Schulz - Indien zu Fuß

Bild: Oliver Schulz - Indien zu Fuß, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2011, ISBN 978-3-421-04474-7

Rezension / Lesung: Eine Reise auf dem 78. Längengrad. Der Hamburger Journalist und Indienkundler Oliver Schulz begibt sich auf eine lange Reise zu Fuß durch Indien. Er durchquert den Subkontinent von seiner Südspitze bis zum Himalaya im äußersten Norden immer entlang des 78. Längengrades.

Das ist ein anstrengendes Unterfangen für einen mitteleuropäischen Schreibtischarbeiter, weswegen er die 3.000 km lange Strecke bei Hyderabad auch in zwei Abschnitte unterteilt und sich für jede Teilstrecke jeweils drei Monate Zeit ließ. Auf dem 78. Breitengrad wandelten gut 200 Jahre zuvor auch die beiden britischen Geodäten William Lambton und sein Nachfolger George Everest, um Indien der Kolonialmacht Großbritannien in 39 Jahren geografisch zu erschließen und trigenometrisch exakt zu vermessen. Oliver Schulz begibt sich ihren Spuren folgend auf die Suche nach der indische Wirklichkeit im 21. Jahrhundert.

Aber was entdeckt man auf der indischen Landstraße? Wohl in erster Linie sich selbst. Der Indologe Oliver Schulz will Indien besser verstehen lernen und entdeckt zur eigenen Enttäuschung nur eine neue Facette Indiens. Er findet das ländliche Indien der Überlandstraßen und begegnet den unterschiedlichsten Menschen entlang der Strecke. In der Regel bleiben diese Begegnungen flüchtig, weil er immer weiter muss.

Der moderne, weltgewandte, aufgeklärte und areligiöse Reisende aus Europa kann sich kaum noch wundern und gerät in der Begegnung mit tiefreligiösen und kulturell fest verwurzelten Menschen, die er in Indien bisweilen trifft, in Erklärungsnot. In diesen Situationen bleibt dem Autor Schulz oft nur noch die Flucht. 

Etwas bahnbrechend Neues kann Oliver Schulz auf seiner anstrengenden Wanderung nicht entdecken. Das real existierende Indien ist wenig romantisch und durchaus anstrengend. Das Buch lebt zum einen von Schulz‘ genauer Beobachtungsgabe und seiner literarischen Sprache, wobei sich der Journalist Schulz gekonnt dem Reportagestil entzieht, und zum anderen von den Rückbezügen auf die Geodäten Lambton und Everest. Dabei übernimmt Lambton die Rolle des Indienliebhabers und Everest die des Indienhassers, die sich beide im Inneren des Autors vereinen. Das Buch fesselt zuletzt dadurch, weil es Schulz gelingt, den Leser mit auf seine Reise durch Indien zu nehmen.

„Indien zu Fuß“ von Oliver Schulz ist jenen Indienfreunden zu empfehlen, die bisher nur die Großstädte und Wirtschaftswunderinseln Indiens kennengelernt haben. Er entführt uns mit seinem lesenswerten Buch in das Indien jenseits der Ortsschilder. 

 

Sven Andreßen, Chefredakteur Indien Aktuell

 

Buchinfo:

Oliver Schulz: Indien zu Fuß – Eine Reise auf dem 78. Längengrad

Deutsche Verlags-Anstalt, München, 2011

288 Seiten

ISBN 978-3-421-04474-7

EUR 19,99

 

Lesung während der India Week Hamburg:

Mathilde, Literatur & Café

Bogenstr. 5, Hamburg

Di. 18.10.2011, 20:15 Uhr

Eintritt 4,- Euro

 

 

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