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Wirtschaft allgemein
Kommentar: Warum Inder kreativer und innovativer sind!

Von Wolfgang Bergthaler

Not macht erfinderisch

Die indische Innovationskraft liegt oft in der Notwendigkeit zu überleben und Probleme zu meistern. In Indien leidet ein Großteil der Bevölkerung an Ressourcenengpässen. Daher sind Inder, insbesondere Menschen, die mit wenig auskommen müssen, Meister der Improvisation, hoch-kreativ und innovativ, wenn es darum geht einfache und kostengünstige Lösungen zu schaffen.

 

Anpassungsfähigkeit als typisch indische Kulturtechnik

Indien ist eines der vielfältigsten und diversifiziertesten Länder der Welt. Nicht umsonst spricht man von einem Subkontinent. Die kulturelle Vielfalt des Landes ist weltweit einzigartig.

Die Inder sind im eigenen Land einer unüberschaubaren Menge an Einflüssen ausgesetzt – verschiedenen Sprachen, Schriften, Religionen und Gebräuchen. Indien ist keine Mischkultur, sondern ein Nebeneinander unzähliger ethnischer, religiöser, sozialer Gruppen, die Seite an Seite leben.

Als Inder lernt man sehr bald die kulturellen Unterschiede zu erkennen, damit umzugehen, und sich in jeder Lebenssituation neu anzupassen. Durch dieses Umfeld sind sie es gewohnt mit fremden und neuen Rahmenbedingungen zurecht zu kommen. Diese Anpassungsfähigkeit ist die Grundlage für kreatives Denken und Innovationsgeist.

Frans Johansson beschreibt in seinem Bestseller “The Medici Effect” wie sich “Diversity” überproportional positiv auf die Innovationsfähigkeit auswirkt: Alle neuen Ideen sind Kombinationen vorhandener Ideen. Je weiter entfernt (diverse) die verknüpften Ausgangsideen sind, desto bahnbrechender werden die neuen Ergebnisse sein.

Indien wird auch oft mit dem Slogan “unity in diversity” beschrieben. Der Titel ist Programm. Welche Gesellschaft oder welches Land wäre wohl prädestinierter, als Indien. Dort gibt es kein Team, die nicht „diverse” ist. Hindus der unterschiedlichsten Kasten, Moslems, Sikhs, Jains und Christen, aus den unterschiedlichsten Landesteilen, arbeiten gemeinsam in den verschiedensten Organisationen, Firmen, aber auch in Verwaltung und Politik.

 

„Change“ ist Teil der kulturellen DNA der Inder

Indien ist durch seine religiösen Wertvorstellungen der perfekte Nährboden für Innovationen. Der Hinduismus prägte eine zyklische Kultur, wo das Leben einem permanent Wandel unterworfen ist. Der Kreislauf der Wiedergeburt ist Basis einer laufenden Erneuerung, quasi eines Innovationsprozesses – eines revolutionären, nicht evolutionären.

Die indische Götterwelt besteht aus hunderttausenden Gottheiten, die aber alle Reinkarnationen der 3 Hauptgötter sind: Brahma (Schöpfer), Vishnu (Erhalter), Shiva (Zerstörer). Die kreative Zerstörung á la Schumpeter* wurde im Hinduismus durch Shiva schon tausende Jahre vorweg genommen.

(*Joseph Alois Schumpeter, österreichisch-amerikanischer Ökonom)

 

Hinduismus als Innovationstreiber

Die abendländische Tradition Europas fußt auf Linearität, Logik, Ratio und Evolution. Unsere christlich geprägte Kultur geht davon aus, dass es nur eine Wahrheit (ein Gott, ein Buch) gibt – das gilt in ähnlicher Weise auch für alle anderen Kulturkreise, die monotheistisch geprägt sind.

Diese logisch-linear-strukturierte Denkstruktur hemmt monotheistisch geprägte Kulturen bei der Entwicklung neuartiger Lösungen. In Indien gibt es nicht eine Wahrheit, sondern unendlich viele Möglichkeiten – und damit sind Kreativität und Innovationsgeist keine Grenzen gesetzt.

 

(Kommentar von Wolfgang Bergthaler; www.indische-wirtschaft.de)

 

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