

In Indien hat sich die weltweite Wirtschaftskrise Dank des starken Binnenmarktes bekanntlich schwächer als andernorts ausgewirkt. Ausgerechnet die indischen Firmen, die in der Vergangenheit außerhalb Indiens erfolgreich investiert hatten, wurden von der globalen Krise erfasst. Prominente indische Unternehmen wurden Opfer ihrer eigenen außenwirtschaftlichen Dynamik. Im Deutschland bekamen das z.B. Unternehmen wie Dr. Reddy's, Wockhardt, Reliance Industries, Suzlon, Tata, Arcelor-Mittal und andere deutlich zu spüren.
Dr. Reddy's hatte 2006 für 480 Mio. Euro den Generikavertreiber Betapharm in einer Hochpreisphase übernommen. Jetzt macht Dr. Reddy's mit seiner deutschen Tochter Verluste. Seit 2006 sind die Preise auf dem deutschen Generikamarkt rückläufig und Betapharm musste zudem Zugeständnisse bei Lieferverträgen mit der AOK einräumen.
Ein anderes indische Pharmaunternehmen, Wockhardt, verkaufte im Juni seine deutsche Tochter Esparma an die Lindopharm-Tochter Mova GmbH. Wockhardt hatte Esparma 2004 wegen seines Marketingpotenzials in Deutschland für rund 11 Mio. US$ erworben. Offiziell will sich Wockhardt auf seine Kernkompetenzen zurückziehen.
Der Kunstfaserhersteller Trevira galt lange Zeit als eine der indischen Vorzeigeübernahmen in Deutschland. Nun hat die deutsche Tochter von Reliance Industries Ltd. Insolvenz angemeldet. Mukesh Ambani hatte den Polyesterhersteller 2004 für 80 Mio. Euro von Hoechst übernommen. Das Insolvenzverfahren beginnt am 1. August. Allerdings gibt es interessierte Investoren, so dass das Traditionsunternehmen vorerst weiterbestehen wird.
Die indischen Stahlproduzenten Arcelor-Mittal und Corus (Tata Steel) leiden unter der weltweit gesunkenen Rohstoffnachfrage. Arcelor-Mittal fuhr die z.B. in seinem Standort in Eisenhüttenstadt die Produktion um zwei Drittel zurück, und schickte die meisten Mitarbeiten in Kurzabeit. In Eisenhüttenstadt sind 300 Arbeitsplätze bedroht und im Werk in Bremen sogar 900. Der heimische Stahlmarkt in Indien hat sich hingegen stabilisiert und ausländischer Stahl wird derzeit in Indien höher verzollt als zuvor.
Der indische Windkraftanlagenbauer Suzlon hat Schwierigkeiten die Übernahme vom norddeutschen Wettbewerber RePower gänzlich zu vollziehen. Größtes Problem waren die sich verschlechternden Konditionen für die Beschaffung von Übernahmekapital und der Wertverlust der eigenen Aktien.
Der indische Automobilmarkt boomt weiterhin, aber die indischen Unternehmen, die im Ausland im Automobilbereich Firmen übernommen hatten, leiden nun unter der weltweiten Absatzkrise für Automobile. So musste z.B. Taco Kunststofftechnik in Grub am Forst, ein Hersteller für technische Kunststoffe, im Juli 2009 Insolvenz anmelden. Taco war erst 2005 von Tata AutoComp Systems übernommen worden. Der Zulieferer von Ford, Mercedes und VW wurde nun Opfer der Absatzkrise auf dem Automobilmarkt. Auch der Sona BLW Präzisionsschmiede in Remscheid, einer Tochter der indischen Sona Group, geht es nicht gut. Mit Entlassungen und Kurzarbeit sowie einer Umstrukturierung des Herstellers für Autogetriebeteile soll der Krise begegnet werden.
Wie es dem indische-deutschen Automobilzulieferer CPD Bharat Forge in Ennepetal derzeit geht, war bis Redaktionsschluss nicht bekannt.
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