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Wirtschaft allgemein
Großes Indien Aktuell Interview

Bild: Im Uhrzeigersinn: Senator Frank Horch, Generalkonsulin M. Subashini, Prof. Dr. Thomas Straubhaar und Dr. Dietrich Kebschull

Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch, Generalkonsulin M. Subashini, Prof. Dr. Thomas Straubhaar (HWWI) und Dr. Dietrich Kebschull sprechen über Hamburg und Indien

 

Mit der India Week Hamburg 2011 findet in Hamburg zum vierten Mal eine umfangreiche Veranstaltungsreihe statt, die speziell auf Indien ausgerichtet ist. Was bedeutet Indien für Hamburg?

 

Senator Frank Horch: Ich freue mich sehr, dass wir es erneut geschafft haben, die India Week Hamburg vom 16. bis 23. Oktober 2011 auf die Beine zu stellen. Dieses Jahr habe ich das erste Mal die Freude, diese Veranstaltung als Senator zu begleiten. Indien ist, und das zeigt die India Week Hamburg auf ganz besondere Weise, nicht nur ein Handelspartner für Hamburg. Der kulturelle Austausch nimmt einen wesentlichen Teil des Programmes ein. Auf wirtschaftlicher Ebene ist Indien mittlerweile einer unserer wichtigsten asiatischen Partner. Und die Bedeutung Indiens wird mit seiner fortschreitenden Entwicklung weiter zunehmen. Ich hoffe sehr, dass wir uns noch weiter annähern und voneinander lernen können. Dieses Jahr ist überdies ein ganz besonderes für die Deutsch-Indischen Beziehungen. In Indien wird zur Zeit das Deutschland-Jahr gefeiert. Bundeskanzlerin Merkel hat es anlässlich des 60-jährigen Bestehens diplomatischer Beziehungen zwischen Indien und der Bundesrepublik Deutschland im Mai in Delhi eröffnet. Indien wird im Mai 2012 zum ersten Mal Partnerland beim 823. Hamburger Hafengeburtstag sein.

Generalkonsulin M. Subashini: Since 2007, when the Free and Hanseatic City of Hamburg realized the importance of India as a traditional partner in diverse sectors such as economic, cultural, science & technology and education, it decided to host the biennial event of India Week.

Dr. Dietrich Kebschull: Für die Wirtschaftsmetropole Hamburg ist Indien seit Jahrhunderten ein bekannter und guter Partner. Allerdings nur einer unter vielen! Seit den grundlegenden Veränderungen in den frühen Neunzigerjahren gehört Indien mit seinen 1,3 Mrd. Einwohnern zu den am schnellsten wachsenden Ländern der Welt. Entsprechend wird seine Bedeutung als Handels- und Wirtschaftspartner zunehmen. In den kommenden zwanzig Jahren wird Indien zur Nummer zwei oder drei unter Hamburgs Partnern in Asien aufsteigen.

Prof. Dr. Thomas Straubhaar: Hamburg hat sich zu lange auf China fokussiert. Auch wenn Indien in den nächsten zwei Dekaden keine zu China ebenbürtige Wirtschaftsmacht werden wird, wird die weltwirtschaftsordnung nachhaltig durch Indien geprägt werden. Hamburg und seine Metropolregion stehen im globalen Wettbewerb. Wer seine lokale Wirtschaft, insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), in diesem Wettbewerb unterstützen will und als Standort nicht verlieren möchte, kommt an Indien nicht vorbei.


Wird Indien in Zukunft für Hamburg wichtiger werden?


Straubhaar: Nochmal ein klares Ja: Mit Indien bieten sich nicht nur Geschäftspotenziale im Handel, wie mit China, sondern auch im Bereich innovativer Industrien.

Subashini: Yes. I am confident that not only in the near future but for decades to come India will be an important partner for Hamburg.

Horch: Ganz klar! Die Wachstumsperspektiven in Indien sind großartig. Wir rechnen in den nächsten Jahren mit über 8% Wachstum in Indien. Der Containerumschlag wird sogar noch schneller wachsen. Im letzten Jahr konnten wir eine Steigerung des Containerumschlags um 18% verzeichnen. Das ist einmalig. Die Hamburger Unternehmen erwarten in 2012 in Indien eine Umsatzsteigerung von 20% und wollen ihre Investitionen vor Ort deutlich steigern. Hält die indische Regierung ihre Investitionsversprechen ein, können wir in vielen Wirtschaftszweigen noch größeres Wachstum erwarten. Um unseren Unternehmen weiter dabei zu helfen, im indischen Markt Fuß zu fassen, haben wir im letzten Jahr ein Projekt ins Leben gerufen, welches kleine und mittlere Unternehmen aus Hamburg bei ihren ersten Schritten auf dem Subkontinent unterstützen soll.

Kebschull: Das Außenhandelsvolumen zwischen Indien und Deutschland hat sich seit 1990 nahezu verzehnfacht. Aber die jetzt greifbaren 20 Mrd. Euro sind erst der Beginn. Bei weiterer Liberalisierung und anhaltend hohem Wachstum wird der schnelle und leistungsfähige Hafen Hamburg zum Dreh- und Angelpunkt weiterer Expansion. Nicht nur für den expandierenden Handel mit Deutschland, sondern auch mit zahlreichen Ländern in West-, Mittel und Osteuropa. Indien wird dabei zum Partner auf Augenhöhe. Im Außenhandel ebenso wie in den modernen Industrie- und Dienstleistungsbereichen.

 

In welchen Bereichen sehen Sie ein Potenzial in der Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Indien?


Kebschull: Hamburg ist prädestiniert für erfolgreiche und nachhaltige Kooperationen im Außenhandel und den angelagerten Dienstleistungen sowie in hochtechnischen Industriebereichen. Hohes Potenzial gibt es zudem in der Stadt- und Verkehrsplanung und beim Ausbau der in Indien noch weitgehend unzureichenden Infrastruktur – von der Wasserversorgung und Abfallwirtschaft bis zum Bau von Häfen und Schnellbahnen. Weitere gute Chancen bieten sich z. B. bei beruflicher Aus- und Fortbildung, umweltfreundlichen Technologien und Bekämpfung des Klimawandels, gemeinsamer Forschung und Hochschulpartnerschaften, im gesamten Bereich der Medienwirtschaft und im Tourismus.

Horch: Traditionell besitzt Hamburg enormes Know-how in Hafenwirtschaft und Logistik. Hier hat Indien großen Nachholbedarf. In allen Bereichen rund um Planung, Bau und Betrieb von Hafenanlagen, aber auch in deren Anbindung an das Hinterland über Straße und Schiene, können wir unsere indischen Partner effektiv unterstützen. Hamburger Unternehmen decken in der Logistikbranche die gesamte Wertschöpfungskette ab. Während der India Week werden wir uns besonders dem weltweit immer präsenter werdenden Thema der Erneuerbaren Energien widmen. Darüber hinaus hat Hamburg aber noch viel mehr zu bieten: Neben unseren traditionellen Stärken Luftfahrt (Airbus hat gerade erst einen großen Auftrag von IndiGo erhalten), Hafen, Logistik, pharmazeutische Erzeugnisse und Energie, ist Hamburg auch in den für Indien immer wichtiger werdenden Branchen Life Science, Weiterbildung (Vocational Training) sowie Tourismus hervorragend international aufgestellt. Das HWWI und IGEP Projekt „Servicestelle für KMU: Marktzutritt Indien“ unter der Schirmherrschaft meiner Behörde, wird sich in dieser India Week einem neuen Zukunftsmarkt, dem Food Processing, widmen. In diesem Feld sehe ich großes Wachstumspotenzial. Jedoch muss die indische Regierung dafür Sorge tragen, dass die hohen selbstgesteckten Ziele, zum Beispiel im Ausbau der Infrastruktur, auch eingehalten werden. Der modernste Hafen und die besten Lagerhäuser bringen wenig, wenn die Straße dorthin ständig verstopft oder unpassierbar ist und Lebensmittel auf dem Weg verderben.

Subashini: There is enormous goodwill in India for the people and culture of Germany. There is admiration and respect for the scientific advances made by Germany in engineering and technological development. The core competencies of Hamburg are shipping, logistics, civil aviation and renewable energy. The biggest potential, as we see, are in the sectors shipping and renewable energy. As the economies of India and Germany keep growing, the port of Hamburg which is popularly referred to as the ‘Gateway to Europe’ and which handles 11% of the total volume of trade between India and Germany, will benefit. The Indian shipping and port industry will also vastly benefit from the expertise and global reach of Hamburg shipping, freight forwarding, port and logistics companies through joint ventures. In the context of Germany’s decision to phase out use of nuclear energy and a shift of focus to renewable energy, Hamburg once again plays an important role with its benefits of being home to a wind energy cluster. In my view, in addition to maritime industry, we can tap into the biggest potential of cooperation in the wind energy sector. Both Hamburg and India are already working together to bring small & medium enterprises in this sector to collaborate with each other in terms of transfer of technology, merger & acquisition and joint ventures.


Welche Chancen bietet Indien Hamburger Unternehmen?


Horch: Das Potenzial des indischen Marktes ist enorm – wir reden von über einer Milliarde potenzieller Kunden. Die Mittelschicht umfasst – je nach Definition – mittlerweile ca. 300 Millionen Menschen. Nicht jeder davon wird sich ein Windrad in den Garten stellen und mit einem Airbus in den Urlaub fliegen. Aber die Nachfrage nach Konsum- und selbstverständlich auch Investitionsgütern steigt stetig. Besonders die traditionellen deutschen Exportgüter sind stark nachgefragt: Maschinen, Elektrotechnik, Chemie und natürlich Automobile. Das größte Wachstum erwarten wir jedoch im Infrastruktursektor durch staatliche, aber auch viele private Investitionen. Einer der wichtigsten Aspekte der geplanten Infrastrukturmaßnahmen der Regierung Singh sind mit Sicherheit die milliardenschweren Investitionen in den Ausbau der vielen Häfen und deren Hinterlandanbindung. Mit dem Erstarken der Mittelschicht geht aber auch eine wachsende Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen im Gesundheitssektor sowie auf dem Ausbildungsmarkt und im Medienbereich einher – alles Bereiche, in denen Hamburger Unternehmen eine ausgewiesene Expertise besitzen.

Straubhaar: Insbesondere in drei Branchen [bieten sich Chancen]: Luftfahrt- bzw. Luftfahrtzulieferindustrie, Erneuerbare Energien und Food Processing, also die Herstellung und Verarbeitung sowie den Transport und die Lagerung (zum Beispiel Aufbau von Kühlketten) von Nahrungsmitteln sowie der vor- und nachgelagerten Bereiche der Wertschöpfungskette.

Kebschull: Generell hat die gesamte Konsumgüterindustrie einen sehr hohen Bedarf. Dabei geht es sowohl um qualitative hochwertige Endprodukte als auch um die am besten geeigneten Maschinen, Anlagen und Technologien zu ihrer Herstellung. Zusätzlich eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten einer verbesserten internationalen Arbeitsteilung. Teile des Produktions- und Dienstleistungspro gramms können zum beiderseitigen Vorteil ausgelagert werden. In den kommenden Jahrzehnten wird Indien sich vom traditionellen Beschaffungsmarkt zunehmend zu einem sehr wichtigen Absatzmarkt mit hoher Kaufkraft entwickeln. Damit wird es zum geeigneten Standort für Produktionen zur Versorgung des Inlandsmarktes und zur besseren Erschließung benachbarter –- ebenfalls aufstrebender – Märkte in Asien.

Subashini: Our Government is also very keen on improving the infrastructure sector. Investment opportunities of over a trillion US-dollars in this sector, during the period 2012- 17, exist. With a conducive and ransparent policy framework, it is the appropriate place for infrastructure investors and developers from Hamburg to come over and seize these opportunities. Overall, it can be only a win-win situation for India and Hamburg.


Welche Chancen eröffnen sich indischen Unternehmen in Hamburg?


Straubhaar: Neben dem Export von Konsumgütern, wie spezielle Lebensmittel oder handgefertigte Wohnaccessoires, sind auch hier wieder die Branchen Luftfahrt- bzw. Luftfahrtzulieferindustrie und Erneuerbare Energien interessant. Hier gab es bereits indische Investments, denn dies sind Schlüsselbranchen unserer Metropolregion.

Kebschull: Indische Unternehmen wollen in der Regel den deutschen oder andere europäische Märkte erschließen und bearbeiten. Hamburg ist für sie wegen seines schnellen Hafens und der ausgezeichneten Verkehrsverbindungen attraktiv. Dies gilt nicht nur für Exporteure von Bekleidung und Textilien oder Lederwarenhersteller, sondern auch für Unternehmen aus Bereichen wie Pharma, Chemie, Erneuerbare Energien, Biotechnologie oder IT. Hamburg ist auch eine gute Option für international operierende Banken und zahlreiche Dienstleistungsbranchen.

Subashini: Indian companies are looking abroad for opportunities not only in investments but also merger & acquisitions. Hamburg as the centre for wind energy cluster has already attracted Indian companies such as Suzlon Energy to invest in REpower. Indian companies in the IT sector, steel and auto components are already present in the northern region. This collaboration can further extend to science & technology, education and health & pharma sectors.

Horch: Ein hervorragendes Beispiel ist der Einstieg von Suzlon bei Repower. Alle großen Player sind bereits in Deutschland und Hamburg vertreten; seien es nun Tata, Mittal oder Mahindra. Im Bereich IT und auch in der Industrie ergeben sich für indische Unternehmer in Hamburg interessante Kooperationsmöglichkeiten. Und wir freuen uns über jeden, der in unsere Stadt kommt und mit uns produktiv zusammenarbeiten möchte. Hamburg kann für indische Unternehmen das Tor nach Mittel-, Nord- und Osteuropa sein, die Investition von Suzlon bei REpower und das Engagement von Mittal zeigen, dass man sich in Indien dieser Tatsache wohl bewusst ist.


Wie werden indisch-hamburgische Aktivitäten gefördert?


Horch: Es gibt eine Vielzahl von staatlichen und privaten Initiativen. Die Freie und Hansestadt Hamburg unterhält in Indien gemeinsam mit der Handelskammer Hamburg und dem Hafen Hamburg Marketing e. V. seit Januar 2011 bei der Deutsch-Indischen Handelskammer eine Hamburg Repräsentanz Mumbai. Darüber hinaus finanzieren der Hamburger Senat und der Europäische Sozialfonds den Hamburger Repräsentanten, Herrn Dr. Kebschull, in Delhi, der die wirtschaftlichen Interessen von kleinen und mittelständischen Unternehmen aus Hamburg vertritt. Herr Dr. Kebschull ist langjähriger Vertreter der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation und mit dem indischen Markt bestens vertraut. Er arbeitet in Hamburg eng mit dem HWWi zusammen, das der lokale Projektpartner ist. Daher arbeiten wir auch sehr eng mit der Deutsch-Indischen Handelskammer zusammen. Der Senat und die Handelskammer bemühen sich sehr, die Bande zwischen Indien und Hamburg weiter zu verknüpfen. Zusätzlich sind wir regelmäßig mit Delegationen in Indien, das nächste Mal schon im September 2011. Und schließlich versuchen wir den Hamburgerinnen und Hamburgern Indien durch die India Week näherzubringen. Es beteiligen sich eine Vielzahl von Vereinen und privatwirtschaftlichen Initiativen, wie der German-Indian Round Table (GIRT) und die Deutsch-Indische Gesellschaft. Darüber hinaus können wir über unsere Wirtschaftsförderung (HWF) indische Unternehmen bei der Etablierung am Standort Hamburg unterstützen, sie in unsere Netzwerke einbinden und ihnen bei der Beschaffung von Aufenthaltsgenehmigungen und Visa helfen. Des Weiteren bietet die HWF über die Hamburger Immobiliendatenbank HDB geeignete Büro- und Lagerflächen an und kann sich in Einzelfällen an den Büromietkosten für die ersten sechs Monate beteiligen.

Kebschull: Im Wirtschaftsbereich gibt es in Indien ebenso wie in Hamburg traditionell Kammern und Verbände als erste Anlaufstationen zur Information. Außerdem sind zahlreiche Beratungsunternehmen und Einzelberater mit unterschiedlichen Spezialisierungen dabei, Indien bzw. Hamburg und Deutschland „zu entdecken!” Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation beauftragte mich im Jahr 2005 mit dem Aufbau des Hamburg Business Centre. Wir geben mittelständischen Unternehmen individuelle Beratung und Betreuung – von der ersten Idee über die Marktanalyse und Etablierung in Indien bis zur Überwachung der Produktion. In dieser Funktion sind wir deshalb auch Partner des HWWI bei dem von Hamburg und der EU geförderten Projekt „Servicestelle für KMU:Marktzutritt Indien.” Wir sind eng mit dem „German-Indian Round Table (GIRT)”, einer ursprünglich hamburgischen, rein privaten Initiative verbunden. Denn der GIRT verfolgt ähnliche Ziele wie wir. Wir fungieren in New Delhi als Promotor und Sekretariat des ersten indischen GIRT. Dabei informieren wir primär indische Unternehmer über Deutschland – natürlich immer unter besonderer Berücksichtigung des Großraums Hamburg.

Straubhaar: Neben der India Week gibt es regelmäßig Delegationsreisen, insbesondere aus den einzelnen Bundesstaaten Indiens. Sehr erfreulich ist, dass sowohl bei der Zusammensetzung der Delegationen als auch beim Programm in Hamburg die Wirtschaft sehr gut vertreten ist. Denn: So wichtig Kultur, Kunst und andere scheinbar nicht ökonomische Bereiche sind; ohne wirtschaftliche Kooperation fehlt das Fundament. Die ersten Fernreisenden waren Händler.


Wie sollte die Politik die hamburgischindischen Beziehungen fördern?


Horch: Was wir dringend brauchen sind Visa-Erleichterungen auf beiden Seiten. Das deutsche Visa-Prozedere ist unglaublich bürokratisch und schreckt viele junge Fachkräfte ab. Im internationalen Wettbewerb um die Spitzentalente können wir es uns nicht erlauben, hochqualifizierte Fachkräfte an andere Länder zu verlieren, nur weil deren Einreisemodalitäten und Bürokratie integrationsfreundlicher sind. Weiterhin ist das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien noch immer nicht zu einem Abschluss gelangt. Wir müssen uns auf EU-Ebene noch stärker dafür einsetzen. Aber auch den persönlichen Kontakt dürfen wir nicht

vernachlässigen. Daher zeigen wir aktiv vor Ort Präsenz. Nicht nur mit Delegationsreisen, sondern ganz besonders durch unsere Vertretungen und unsere KMU-Servicestelle.

Subashini: High level political exchanges and visits would definitely create a more conducive atmosphere for business. Relations between India and Hamburg go back to the early 1950s when India established its Consulate in Hamburg. Since then, there has been consistent exchange of visits between our leaders which lay the groundwork for building up economic, cultural and tourism ties and people-to-people contacts.


Welche Bereiche außer den Wirtschaftsbeziehungen gehören noch zu einer lebendigen Partnerschaft?


Kebschull: Natürlich der gesamte Kulturbereich. Denn hier wird durch Zusammenarbeit die Basis für ein besseres gegenseitiges Verständnis geschaffen. Wichtig sind auch Forschungs- und Hochschulpartnerschaften. Inder, die in Deutschland studiert oder geforscht haben, sind immer unsere besten Botschafter, wenn sie wieder heimkehren. Dies sollte sich Hamburg stärker zunutze machen. Schon Schulpartnerschaften können viel zum Abbau noch bestehender Vorurteile beitragen. Sie erweitern den Horizont und ebnen den Weg für spätere stabile Kooperationen.

Straubhaar: Ein laufender Dialog über die Herausforderungen der sich verändernden Weltordnung, in der Länder wie Indien nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine zunehmende politische Rolle spielen, gehört dazu. Hier muss mit allen Stakeholdern, auch Politikern, diskutiert und die Seiten gewechselt werden, d. h. der Unternehmer wird temporär Sozialarbeiter und der Umweltschützer lernt als Manager den täglichen Trade-off zwischen Wettbewerbsdruck und unternehmerischer Verantwortung kennen.

Horch: Zusammenzuarbeiten heißt auch immer zusammenzuleben. Daher muss sich unsere Gesellschaft noch viel mehr für fremde Kulturen öffnen. Indien besitzt eine Jahrtausende alte Hochkultur, von der in Deutschland leider wenig bekannt ist. Deutschland ist in Indien sehr stark mit seinen Goethe-Instituten vertreten und betreibt große Anstrengungen den kulturellen Austausch zu fördern. Ich würde mich freuen, wenn im Gegenzug in dieser Richtung auch aus Indien Impulse kämen. Die Partnerschaften, die unsere Hochschulen in diesem Bereich aufgebaut haben, sind ein Schritt in die richtige Richtung.


Welche Veranstaltung der India Week Hamburg 2011 sollte man auf gar keinen Fall verpassen?


Horch: Alle Veranstaltungen sind natürlich interessant und nach Möglichkeit sollte man keine verpassen, insbesondere lege ich allen Interessierten die Einführungsveranstaltung und unsere Veranstaltung zum Thema Food Processing ans Herz. Aber auch die Veranstaltungen, die uns die Kultur Indiens näherbringen, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Straubhaar: Die Veranstaltungsreihe „Neuer Osten – Neue Mächte“: Wer die zukünftigen weltwirtschaftlichen Umwälzungen in einen politischen und gesellschaftlichen Kontext einordnen möchte, findet hier erste Denkanstöße.

Subashini: The 4th India Week Hamburg 2011 has attracted the highest number of programmes and events which offer an exciting insight into India and it will be difficult to choose one or two events only. However, I would like to highlight some of the important events such as the business seminars on civil aviation, food processing and renewable energy, cultural shows like puppet theatre, fusion dance and music by Indian and Hamburg Artists, film festival showcasing Guru Dutt Retrospective and a week-long Indian Food Festival which is being organized for the first time ever in Hamburg. I look forward to more Germans participating in most of the events.

Kebschull: Ich denke, dass alle Veranstaltungen interessant sind. Da wir von Anfang an immer an den Indienwochen beteiligt waren, kann ich nur empfehlen, sich möglichst breit zu informieren und die Möglichkeiten zu spezifischen Informationen durch andere Teilnehmer und Landeskenner zu nutzen.


Das Interview führte Sven Andreßen, Chefredakteur Indien Aktuell

 

 

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