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Agrar & Food
Food-Processing-Industrie in Indien – Chancen und Herausforderungen

Bild: Bananenhaendler in Masinagudi von Nina Falk

Für viele Inderinnen und Inder ist es mittlerweile völlig normal, sich eine Pizza aus dem Tiefkühlfach zu nehmen und frische Lebensmittel im Kühlschrank aufzubewahren. Werbung für Produkte, die noch vor wenigen Jahren als typisch „westlich“ betrachtet wurden, ist allgegenwärtig und weckt die Lust auf Convenience Food – keine Spur mehr von dem, was man sich in Europa gemeinhin als „typisch indisch“ vorgestellt hat. Doch diese Beobachtungen gelten keineswegs für das gesamte Land und nicht für alle seine Bewohnerinnen und Bewohner.

 

Die Wertschöpfungskette weist große Defizite in der Infrastruktur auf, was dazu führt, dass der Großteil der in Indien produzierten Nahrungsmittel frühzeitig verdirbt und die Menschen nicht erreicht. Lediglich ein Prozent der lokalen Basisprodukte wird weiterverarbeitet. Damit kommt dem Ausbau der Food-Processing-Industrie ein großer Stellenwert in der indischen Wirtschaftspolitik zu. Unter dem Begriff ‚Food Processing’ ist weit mehr zu verstehen als die Nahrungsmittelindustrie: Alle Unternehmen, die mit Herstellung, Verarbeitung, Transport und Lagerung von Nahrungsmitteln befasst sind, zählen zu diesem Industriesektor. Der Aufbau funktionierender Kühlketten ist ein wichtiger Teilaspekt, aber auch die nachgelagerten Bereiche, z. B. die Verpackungsindustrie und Labore, sind von großer Bedeutung.

Deutsche Unternehmen stellen für viele indische Unternehmerinnen und Unternehmer in diesem Zusammenhang den Wunschpartner da. Noch immer ist „Made in Germany“ ein Gütesiegel; nicht nur für Waren, sondern insbesondere auch für Dienstleistungen und Know-how. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen aus Deutschland können dieses Siegel bieten und haben vielfach einen technologischen Vorsprung, der sich in Indien als äußerst vorteilhaft bei der Markterschließung erweist. Dabei geht es weder darum, die indischen Partner auszubeuten, noch darum, dass aus dem honorierten Technologietransfer ein Diebstahl wird. Viel mehr treffen sich in klassischer Weise die Nachfrage nach Technologie und das Angebot exzellenter technologischer Lösungen. Beide Partner werden durch die Kooperation wettbewerbsfähiger. Indien selbst hat großes Markpotenzial und ist gleichzeitig das Tor zur Erschließung weiterer Märkte (ASEAN, Golfstaaten, Afrika) mit erprobter Technologie. Außerdem bieten sich interessante Chancen bei der Entwicklung von einfachen und an die Kaufkraft angepassten Lösungen.

Auf dem Feld des Food Processing bieten das sich ändernde Konsumverhalten, das steigende Einkommensniveau und der sich wandelnde Lebensstil große Chancen. Nicht umsonst zählt die Food-Processing-Industrie zu den wichtigsten in Indien. Neben dem Umstand, dass die Nachfrage einer wachsenden Mittelschicht mit westlicher werdendem Lebensstil bedient werden muss, liegt der Fokus darauf, dass die gesamte Bevölkerung an dem langsam, aber stetig wachsenden Wohlstand partizipieren kann und keinen Hunger mehr leiden muss (nach Angaben der Weltbank mussten 2005 456 Mio. Menschen in Indien mit weniger als 1,25 USD pro Tag auskommen). Zugang zu frischen und nahrhaften Lebensmitteln für alle ist das Ziel, das es schnellstmöglich zu erreichen gilt.

 

Gunnar Geyer (HWWI Hamburger WeltWirtschaftsInsititut)

 

 

Veranstaltung während der India Week Hamburg 2011:

 

Foodprocessing: Marktchancen in Indien

Mi. 19.10.2011, 9:00 Uhr

Handelskammer Hamburg, Plenarsaal

Anmeldung: indiaweek@hwwi.org 

 

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