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Energie
Erneuerbare Energien gewinnen auch in Indien an Bedeutung

Von den 1,2 Milliarden Einwohnern Indiens sind 400 Millionen nicht an ein Stromnetz angeschlossen. Für die verbliebenen 700 Millionen Menschen mit Stromanschluss gibt es nach wie vor keine zuverlässige Stromversorgung. Die meisten Unternehmen behelfen sich mit Dieselgeneratoren, die im Bedarfsfall anspringen. Dennoch ist die knappe und wenig zuverlässige Energieversorgung eines der gravierendsten Wachstumshemmnisse Indiens. Die indische Regierung will daher die Gewinnung Erneuerbarer Energien in den kommenden Jahren weiter ausbauen.

 

Die Produktionskapazitäten der Erneuerbaren Energien sollen bis 2020 von heute 18 auf 40 Gigawatt erhöht werden. Im Rahmen der „Solar Mission“ werden daher bis 2022 Projekte mit einer Kapazität von 20 Gigawatt gefördert. Im Mittelpunkt steht dabei die Wind- und Solarenergie. Damit soll der Anteil der Erneuerbaren von 11 auf 15% des gesamten Energiemix gesteigert werden. Die gesetzlichen und administrativen Rahmenbedingungen im Energiesektor Indiens sind allerdings nicht ganz einfach. Wie in dem ausführlichen Branchenbericht von Germany Trade and Invest (www.gtai.de) dargelegt, gibt es eine ausgeprägte Subventionierung der Haushalte und der Landwirtschaft. Die Strompreise reichen daher nicht aus, um Strom aus Erneuerbaren Energien zu bezahlen. Es wurden zwar Einspeisevergütungen beschlossen, diese

sind jedoch so niedrig, dass ein Teil der Projekte nicht realisierbar ist. In der Projektförderung hat die Regierung zudem Local-Content-Anteile von teilweise 100% vorgegeben. Ob die von der „Solar Mission“ angestrebten Ziele so realisierbar sind, ist eher ungewiss. Jedenfalls steht für deutsche Hersteller fest, dass sie an dem geplanten Ausbau der Kapazitäten in Indien nur partizipieren können, wenn sie vor Ort vertreten sind.

Da der Landerwerb in dem dicht bevölkerten Indien zunehmend zum Problem wird, prüft Indien nun auch sein Potenzial für Offshore-Windkraftanlagen. Das Ministry of New and Renewable Energy will bis Ende 2012 Wind-karten veröffentlichen. Die indische Windenergiebranche hat bisher kaum Erfahrung mit Offshore-Anlagen. Damit ergeben sich zusätzliche Chancen für deutsche Hersteller von Windkraftanlagen und Unternehmen in der Projektentwicklung. Als einer der führenden Hersteller von Offshore-Windenergieanlagen plant Siemens bereits eine Fertigungsstätte in Indien.

Die Bundesregierung will zu dieser Entwicklung ebenfalls beitragen: Im März unterzeichnete die KfW Entwicklungsbank einen Förderkreditvertrag, das „New Renewable Energy Programme“, mit einer Kreditlinie von 200 Mio. Euro. Mit diesem vierten Kreditabkommen mit der Indian Renewable Energy Development Agency (IREDA) sollen neue Technologien und innovative Finanzierungs- und Beteiligungsmodelle im Bereich Solarenergie, Windkraft, Biomasse und Wasserkraft gefördert werden.

Ebenfalls mit deutscher Finanzierung wird im indischen Bundesstaat Maharashtra das weltgrößte Solarkraftwerk mit einer Leistung von 150 MW gebaut. Die Gesamtkosten des Kraftwerks in Höhe von 370 Mio. Euro werden mit einem verbilligten Kredit in Höhe von 250 Mio. Euro von der KfW Entwicklungsbank finanziert. Damit kann der tägliche Strombedarf von 500.000 Menschen im Westen Indiens gedeckt werden.

Hamburger Unternehmen sind an der Entwicklung der Erneuerbaren Energien in Indien ebenfalls beteiligt. Mit dem Einstieg der indischen Suzlon Energy bei dem Hamburger Windanlagenhersteller REpower Systems AG wurde bereits 2008 ein erster Meilenstein in der Kooperation Hamburgs mit Indien im Bereich Erneuerbare Energien gesetzt. Die erst 1995 mit 20 Mitarbeitern gegründete Suzlon-Gruppe ist heute mit 13.000 Beschäftigten in 32 Ländern aktiv. Ziel ist es, ein global führender Windanlagenhersteller zu werden. Der Kauf der REpower Systems und der damit zusammenhängende Zugang zu innovativen Technologien und dem interessanten europäischen Markt war da nur die logische Konsequenz. Suzlon steigerte ihren Anteil an dem seit Juni in REpower Systems SE umbenannten viertgrößten Windanlagenhersteller sukzessive auf 95,16%. Nun sollen auch die letzten Anteile der Minderheitsgesellschafter übernommen werden.

Eine weitere Anlage im Bereich alternativer Energien mit Hamburger Beteiligung in Indien nutzt weder die Sonne noch den Wind als Energiequelle; die von der Hamburger Mabagas International GmbH, einer Tochter der Marquard & Bahls AG in Puduchatram im Bundesstaat Tamil Nadu errichtete Biogasanlage wird mehr als 15 Mio. kWh elektrischen Strom pro Jahr produzieren. Diese Menge entspricht dem jährlichen Strombedarf von mehr als 5.000 Haushalten in Indien. Für die benötigten 100.000 Tonnen Substrate werden ausschließlich Reststoffe aus der Agrarwirtschaft verwendet. Mabagas-Geschäftsführer Dr. Daniel Weisser kündigt jedoch an: „Gemeinsam mit unserem indischen Partner werden wir bald weitere Anlagen errichten.“

Nach seinem Studium in Deutschland gründete Gopi Prasad in Hamburg die GloMan Consulting GmbH. In seinem Heimatland Indien produziert der Jungunternehmer unter Lizenz eines deutschen Unternehmens Windturbinen mit Vertikalachsen-Technologie (VertiTurbs). Der indischen Tochtergesellschaft der GloMan wurde vom Bundesstaat Karnataka kostenlos Land für die Produktionsstätte zur Verfügung gestellt. Geschäftsführer Gopi Prasad ist überzeugt: „Nach Fertigstellung der ersten VertTurbs werden wir zahlreiche andere Produkte im Bereich Erneuerbare Energien im indischen und deutschen Markt einführen“.

 

Gero Winkler (Handelskammer Hamburg)

 

 

Veranstaltung während der India Week Hamburg:


Erneuerbare Energien in Hamburg und Indien

Mi. 19.10.2011, 14 Uhr

Handelskammer, Plenarsaal

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