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Gesellschaft
Bimal Roy - Altmeister des indischen Kinos

von Tobias Grote-Beverborg

Groß war das mediale Interesse Indiens an der im Sommer 2009 erschienenen Biografie über den bengalischen Filmemacher Bimal Roy. Darin zeigte sich die ungebrochen hohe Verehrung, die das indische Publikum dem vor über vierzig Jahren verstorbenen Großmeister des indischen Kinos entgegenbringt.

Auch gibt es kaum einen Bollywood-Regisseur, der sich nicht auf Bimal Roy als Quelle der Inspiration beruft. Verfasst von Rinki Roy Bhattacharya, der Tochter von Bimal Roy, zeichnet die Biografie Lebensweg und -werk des Fotografen, Kameramanns, Regisseurs und Produzenten nach. Ein Leben, das untrennbar mit der Geschichte des indischen Kinos verbunden ist.

Bimal Roy wurde am 12. Juli 1909 in Ost-Bengalen (dem heutigen Bangladesch) als ältester Sohn eines Großgrundbesitzers geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters wurde er vom Verwalter der Ländereien um sein Erbe betrogen. Mittellos geworden, musste er sein Studium abbrechen und suchte mit seiner Mutter und seinen jüngeren Geschwistern sein Heil in Kalkutta. Hier schlug sich Bimal Roy zunächst als Fotograf durch, wurde jedoch bald als Kameramann entdeckt und in den renommierten New Theatre Studios eingesetzt. Sein schon damals ausgeprägter Sinn für dramatische Lichteffekte und außergewöhnliche Bildkomposition ist bereits in den frühen Klassikern des indischen Kinos Devdas (1935) und Mukti Maya (1937) zu bewundern.

Sein erstes Regiewerk, Udayer Pathey (1944), war nicht nur ein Kassenschlager, sondern betrat mit seiner realistischen Darstellung und scharfen Kritik an Klassendiskriminierung filmisches Neuland. War der indische Film bis dahin überwiegend theatralische Flucht aus der Wirklichkeit, wurde der Zuschauer nun erstmals mit den brutalen Realitäten des Klassenkampfes konfrontiert. Im Mittelpunkt des Films steht das Schicksal eines verarmten Schriftstellers, der auf Grund der ihm widerfahrenen Ungerechtigkeiten den Kampf mit den Reichen und Mächtigen aufnimmt. Weitere sozialkritische Werke, wie etwa Anjangarh (1948) über die Ausbeutung der Urbevölkerung in Bihar, sollten folgen und Bimal Roys Ruf als Pionier des Neo-Realistismus im indischen Kino festigen.

Anfang der 1950er Jahre sah sich Bimal Roy erneut gezwungen, seine Heimat aufzugeben und nach Bombay zu gehen. Die politische und wirtschaftliche Entwicklung im gerade unabhängig gewordenen Indien, v.a. der durch die Teilung Indiens verursachte Zusammenbruch der Jute-Industrie in Bengalen, führte zum Niedergang des bengalischen Kinos.

In Bombay arbeitete Roy zunächst in den legendären Studios der Bombay Talkies Ltd, bei denen er mit Maa (1952) sein Debüt gab. Kurz darauf machte er sich mit einer eigenen Produktionsfirma selbständig und es kam sein großer Durchbruch: Do Bigha Zameen (1953) schilderte lebensnah die Situation eines verarmten Bauern, der einem Kredithai zum Opfer fällt. Die einzigartige Regiearbeit brannte ihre erbarmungslose Darstellung der Armut tief in die Erinnerung der Kinogänger ein. Roy zeichnete das Bild der vom Land vertriebenen Familie, die in der Stadt einen verzweifelten Überlebenskampf führt muss, so wirklichkeitsnah nach, dass eine persönliche Verarbeitung seiner eigenen Erfahrung naheliegt. Noch heute zählt Do Bigha Zameen zu den zehn besten indischen Filmen. Auch im Ausland stieß das Werk auf Aufsehen und höchste Anerkennung.

In den nächsten zehn Jahren produzierte Bimal Roy zahlreiche weitere Kinoklassiker, darunter Parineeta (1953) sowie die legendäre Neuverfilmung von Devdas (1955). Auch einige Kassenschlager, wie etwa sein größter kommerzieller Erfolg Madhumati (1958), aber auch Sujata (1959) oder sein letzter Film Bandini (1963), gehören zu seinen herausragenden Werken. Am 7. Januar 1966 verstarb Bimal Roy in Bombay ohne seine letzten beiden Filmprojekte, eines über das große indische Pilgerfest Kumbha Mela und eine geplante Verfilmung des Epos Mahabharata, verwirklichen zu können.

Über vierzig Jahre nach seinem Tod zählen Bimal Roys neo-realistische und sozialkritische Filme weiterhin zu den Großwerken des indischen Kinos und dienen nach wie vor indischen Filmschaffenden als Vorbild.

TOBIAS GROTE-BEVERBORG, DEUTSCHE WELLE
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