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Automotive
BharatBenz - Deutsche Brummies für Indien

Bild: Daimler Trucks

Lange Zeit wurde der indische Nutzfahrzeugmarkt von deutschen Herstellern links liegen gelassen. Anachronistisch anmutende Lkw von TATA und Ashok Leyland dominierten das Straßenbild.

Vielfach stellten die Hersteller auch nur das Fahrgestell her, während die Aufbauten individuell von unabhängigen Chassisbauern zu sehenswerten Unikaten vervollständigt wurden. Mit dem Wirtschaftsboom in Indien war es aber ab 2005 deutlich abzusehen, dass ein veritabler Lkw-Markt in Indien entstehen würde. Daimler war bis März 2009 noch mit 5,34% an TATA Motors beteiligt. Viele der älteren Lkw-Modelle von TATA konnten ihre Mercedes-Gene auch nicht verheimlichen. Doch Daimler wollte besonders im sich abzeichnenden Nutzfahrzeugmarkt in Indien freie Hand haben. Für Indien hat Daimler Trucks and Busses Anfang 2011 eigens die Marke BharatBenz geschaffen. Auf der Basis des japanischen Fuso soll eine in weiten Teilen indigene Lkw-Familie mit Modellen von 6 Tonnen bis 49 Tonnen entstehen. Die ganz schweren Lkw werden auf einer bewährten Mercedes-Benz-Basis beruhen. Dabei will man sich kostengünstiger Komponenten aus der gesamten Nutzfahrzeugsparte von Daimler bedienen, um ein preiswertes und an die widrigen indischen Straßenbedingungen angepasstes Angebot erstellen zu können.

Daimler fühlt sich stark genug, um mit BharatBenz gegen die bereits vorhandenen Mitbewerber bestehen und einen ordentlichen Marktanteil in Indien gewinnen zu können. Marc Llistosella, CEO von Daimler India Commercial Vehicles Pvt. Ltd., sagte laut dem Financial Express sogar: „We don‘t bother whether the Indian market is crowded or not. We are here to push the market to a new growth path as we see huge opportunities here." Die Daimler-Chefs rechnen damit, dass sich der Bedarf an leichten, mittleren und schweren Nutzfahrzeugen bis 2020 verdoppeln wird. Man steigt somit also in einen stark wachsenden Markt ein.

Neues Werk in Oragadam nahe Chennai

Im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu entsteht ein neues Werk, das in Oragadam nahe der Metropole Chennai gelegen ist. Chennai gilt inzwischen als das „Detroit" Indiens, in dem bereits viele Zuliefer ansässig sind. Für rund 700 Millionen Euro entsteht dort auf einem 160 Hektar großen Gelände eine Fabrik, die einmal bis zu 70.000 Lkw pro Jahr herstellen können soll. Zum Werk gehört auch eine für Indien einzigartige Teststrecke, auf der die neu entwickelten Laster hinsichtlich indischer Straßenverhältnisse auf Herz und Nieren getestet werden sollen. Über eine Millionen Kilometer sollen die neuen BharatBenz-Lkw auf der 1,55 km langen Teststrecke fahren und hoffentlich halten. 2012 soll die Produktion starten. Zurzeit arbeiten bereits ca. 400 Mitarbeiter aus Deutschland und Indien in dem neuen Werk.

„New Middle Market-Segment"

Der Stuttgarter Konzern schlägt mit BharatBenz ein neues Kapitel in den deutsch-indischen Wirtschaftsbeziehungen ein. Besonders ein Segment schürt die Hoffnung der baden-württembergischen Autobauer auf ein gutes Gelingen ihres indischen Vorhabens: das sogenannte „New Middle Market-Segment". Hierbei handelt es sich um Fahrzeuge, die an die neuen Bedürfnisse der indischen Kunden angepasst sind. Zukünftig werden in Indien nämlich Lkw mit höherer Leistung sowie besserer Qualität, Zuverlässigkeit und Effizienz als bisher nachgefragt werden – ein Markt, den Daimler mit seiner neuen BharatBenz-Marke gerne bedienen möchte.

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