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Dass den Indern „Geschäfte machen“ im Blut liegt, wissen wir spätestens nach unserem ersten Einkauf bei einem indischen Händler – egal ob Hippie-Flohmarkt in Goa oder beim Asia-Shop um die Ecke. Geschäftssinn und Händlermentalität sind alte indische Tugenden und wurden Jahrtausende lang kultiviert. Doch zeichnen den indischen Unternehmer noch eine Reihe von Charaktereigenschaften aus, die ihn international überdurchschnittlich erfolgreich machen.
Im Gegensatz zu Europa, wo es eine ausgeprägte Kultur des Einzelunternehmertums (Stichwort Ich AG) gibt, ist der Trend zur „Selbst-ständig-keit“ in der indischen Ober- und Mittelklasse weitgehend unbekannt – im krassen Gegensatz zu den Mikrobetrieben im informellen Sektor. Wenn man in Indien den Sprung aus dem sicheren und gut bezahlten Angestelltenverhältnis bei einem IT-Dienstleister mit Glaspalast in Bangalore oder Gurgaon wagt, dann nicht als kreativer Freelancer, sondern immer mit dem Ziel als Unternehmer die nächste Tata Group zu gründen und damit richtig reich zu werden.
Nach allen Definitionen von Schumpeter bis Professor Faltin sind Entrepreneure kreativ, innovativ, anpassungsfähig, problemlösungsorientiert, bereit Risiken einzugehen, leben leidenschaftlich für ihren Traum und verfolgen hartnäckig und stetig ihr Ziel. Kommunikationsfähigkeit und Netzwerk schaden auch nicht. All das sind Charaktereigenschaften, die dem indischen Wertesystem entsprechen.
In der indischen Gesellschaft sind Erfolgsstreben und Statusdenken stark ausgeprägt. Etwas Großes zu erreichen und hohes Ansehen zu genießen sind daher wichtige Motivationsfaktoren. Gerne wird den Indern nachgesagt, dass sie mathematisch-naturwissenschaftlich veranlagt sind. Wenn dem so ist, schlägt sich das wohl positiv in der Problemlösungskompetenz nieder. Immer öfter überraschen uns indische Forscher, Künstler und Unternehmer mit kreativen und innovativen Lösungen. Netzwerken liegt den beziehungsorientierten Indern genauso im Blut, wie das oben schon erwähnte Verhandlungsgeschick. Alles hilfreiche Eigenschaften bei einer Unternehmensgründung.
Auch das hierarchische Gesellschaftssystem, in dem der indische „homo entrepreneurius“ sozialisiert wurde, ermöglicht ihm/ihr groß zu denken und zu handeln. Von Beginn an stehen ihm/ihr günstige Arbeitskräfte zur Verfügung. Während bei uns der erste Mitarbeiter ein großer Meilenstein ist und meist (wenn überhaupt) erst nach Jahren eingestellt wird, startet in Indien quasi kein Unternehmen als “One (Wo)Man-Show”, und wenn es nur zwei Laufburschen sind. Dadurch kann sich der indische Entrepreneur ganz auf sein unternehmerische Konzept konzentrieren, Strategien entwickeln und Beziehungen aufbauen und pflegen – ohne selbst & ständig in der operativen Arbeit unter zu gehen. Anstatt im Unternehmen zu arbeiten, wird in Indien viel öfter am Unternehmen gearbeitet – mit dem Ergebnis schnell große Organisationen aufzubauen.
Daher ist der indische Gründer aber auch gezwungen von Beginn an Strukturen und Prozesse in seiner Organisation zu schaffen. Damit kann er, der in einer hoch-arbeitsteiligen und stark hierarchischen Gesellschaft aufgewachsen ist, sehr gut umgehen. Denn auch im eigenen Haushalt ist er es seit Kindheitstagen an gewohnt, sein Haus-Personal, Koch und Chauffeur zu managen.
All diese sozialen und kulturellen Gründe schaffen einen guten Nährboden für die jungen und motivierten Entrepreneure Indiens. Ihre gute Ausbildung, Erfahrungen in Übersee und ihr grenzenloser Optimismus macht Indien zum neuen Land der unbegrenzten (Geschäfts-)Möglichkeiten.
(Wolfgang Bergthaler; www.indische-wirtschaft.de)
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